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Celle Stadt Abschlusskonzert der Orchesterakademie ist geprägt von Emotion und Leidenschaft
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Abschlusskonzert der Orchesterakademie ist geprägt von Emotion und Leidenschaft
12:22 07.08.2017
Die Celler Orchesterakademie gab ein Konzert in der Blumläger Kirche. Quelle: Oliver Knoblich
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In einem vorangegangenen viertägigen Workshop hatten sich rund vierzig junge Musiker in Knesebeck zusammengefunden, um unter professioneller Anleitung Bettina Ihrig, Beate Anschütz, Roger Burmeister, Ricarda Schikarski, Ulrich Salzer und Brangäne Breymann-Aoyama ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm zu erarbeiten. Die ausgewählte Musik für sich zu entdecken, zu erkunden, gemeinsam zu gestalten und nun einem gespannt lauschenden Publikum zu präsentieren, war neben dem musikantisch-vergnüglichen Miteinander das vorrangige Ziel dieses Workshops, bei dem den Teilnehmern neben dem Prozedere des orchestralen Zusammenwirkens auch tiefes Verständnis für die musikalischen Inhalte und Zusammenhänge vermittelt worden war.

Unter der souveränen Leitung des sehr engagierten Musikstudenten Maximilian Kloth ließen die Interpreten nun mit spürbarer Lust ihre Musizierfreude durchklingen und zeigten, was sich erreichen lässt, wenn Leidenschaft, Emotion und Virtuosität den Ton bestimmen. Sei es bei Sätzen aus Händels „Feuerwerksmusik“, bei der auch schon sechs Nachwuchsinstrumentalisten mit eingebunden wurden, oder bei Händels „concerto grosso“ D-Dur oder beim „Andante con moto“ aus Mendelssohns „italienischer“ A-Dur-Sinfonie oder beim „Allegro molto“ aus Mozarts Sinfonie Nr. 40 g-Moll, mit der piano einsetzenden Seufzermelodik sicherlich einer der außergewöhnlichsten Sinfonienanfänge der Musikgeschichte.

Das gleichermaßen Berührende und Begeisternde an diesem Konzert war die Ausstrahlung, die von den jungen Musikern ausging, die mitreißende Intensität, die Spielfreude, die bis ins letzte Pult spürbare Lust am gemeinsamen Musizieren. Das Lehrerteam hatte sich dabei ganz entspannt in die zweite Reihe des Orchesters zurückgezogen und es den Schülern überlassen, nicht nur im übertragenen Sinne die erste Geige zu spielen. Und das taten diese unter Kloths souveränem Dirigat mit viel Bravour.

Nicht zuletzt ließen auch die Solisten aufhorchen, die die Interpretation ihres jeweils selbst gewählten Stückes mit viel Eifer und professioneller Hilfe optimiert hatten und nun mit berechtigtem Stolz und Orchesterbegleitung vortrugen: Inken Jörgensen (Viola) bei Konzertsätzen von Telemann, Hagen Papenburg (Violine) bei Svendsens G-Dur-Romanze und Lea Joppich (Violine) beim „Allegro“ aus Bachs Violinkonzert a-Moll. Vom tiefen Ernst bis zu schwereloser Heiterkeit erklangen die vielfältigen solistischen musikalischen Affekte, mal aufwühlend, mal besänftigend. Zupackende Passagen, wunderbar klangvoll vorgetragen, wechselten sich mit innig gestalteten Melodien ab. Und das Orchester nutzte mit warm und weich fließender Eleganz die von Kloth immer wieder geöffneten Freiräume der Expressivität. Dabei investierten die Interpreten viel Gefühl, um ihre Zuhörer zu berühren. Zugleich verliehen sie der Musik durch ihre virtuose, beherzte und packende Spielweise eine Vitalität, dass man sie am liebsten sofort noch einmal hätte hören mögen.

Von Rolf-Dieter Diehl