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Celle Stadt Abschlusskonzert des Chorprojekts „Musica Sacra Viva“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Abschlusskonzert des Chorprojekts „Musica Sacra Viva“
20:08 24.11.2010
KONZERT: Musica sacra viva – Neue Geistliche Musik für Chor und Instrumente Quelle: Peter Müller
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Celles erster katholischer Kirchenmusiker Anschütz musste im Vorfeld des Konzertes ein Hauptwerk des geplanten November-Konzertes absagen, da er nicht genügend Chorsänger dafür zusammen bekommen hat. Nun sollte das übrig gebliebene Uraufführungswerk umrahmt werden von alter und romantischer Musik. Und dazu sollte noch ein theologischer Vortrag zu Anschützens neuen Kompositionen hinführen. Ob das gut gehen würde? Das Experiment gelang weitgehend so gut, dass man erstaunt sein konnte.

Die theologisch zur Musik hinleitenden Worte von Sonja Wessendorf erschienen zumindest bezüglich der Motette „Jesus und die Tochter des Jairus“ so einleuchtend, dass es gar kein Problem war, den Zusammenhang zwischen Text und Vertonung als zwangsläufig zu begreifen. Und Anschützens Musik erschien auch so gelungen wie inspiriert. Anschütz hat in diesem Stück und in der direkt anschließenden Motette „Horch, mein Geliebter“ eine in sich vollkommen zwingend erscheinende Harmonik entwickelt, die in ihrer inneren Logik ganz nah bei Hindemiths geschlossenem Harmonischen System zu sein scheint, aber trotzdem in keinem Moment eklektisch wirkt. Einzig der nicht zu diesen beiden Motetten passende Schlusschoral trübte den sehr starken Eindruck dieser beiden Motetten. Der Chor Con Spirito erwies sich als ein gut geschulter Klangkörper von großer Homogenität. Und auch die beiden Instrumentalsolisten an Klarinette und Cello fügten sich bestens ein in das musikalische Geschehen.

Auch bei den alten und den romantischen Meistern sang der Chor auf hohem Niveau. Zusätzlich gab es noch die komplette dritte Orgelsinfonie von Louis Vierne, gespielt von Michael Dorst, zu hören. Das wurde zu einem Fest der Klangfarben, das sich allerdings ziemlich in die Länge zog, da der Organist in den langsamen Sätzen ein wenig den großen Spannungsbogen beim Spielen verlor. Und dann war da noch ein generelles Manko des Konzerts: Es war deutlich zu lang. Aber die Stücke von Anschütz möchte man unbedingt noch einmal hören.

Von Reinald Hanke