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Celle Stadt Abteilungsführer Karl Coldewe aus Celle: Justizsekretär koordinierte die Sanitätskolonnen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Abteilungsführer Karl Coldewe aus Celle: Justizsekretär koordinierte die Sanitätskolonnen
16:20 09.08.2018
Porträtfoto Karl Coldewe Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Von Matthias Blazek

Ein paar Worte zur Familie: Karl Julius Coldewe wurde am 28. März 1889 in Einbeck als gemeinsames Kind von Emma Luise Auguste (geb. Menke, geboren in Borstel [Winsen/Luhe] am 14.09.1865, gestorben in Celle am 03.11.1924) und Oberwachtmeister a.D. Johann Friedrich Coldewe (geboren in Arnswalde [Pommern] am 14.05.1859), gestorben in Celle am 11.02.1912). Er hatte einen Bruder und drei Schwestern und heiratete Dorothee Karoline Elsa, geborene Pfänner (geboren in Celle am 05.04.1889, gestorben in Neustadt a. Rbge. am 22.09.1976).

Karl Coldewes Werdegang kann sich sehen lassen. Seine Verdienste in den Ehrenämtern des Männerturnvereins Celle, des Roten Kreuzes Celle und des Kreisfeuerwehrverbands Celle sind als außergewöhnlich anzusehen.

„Zögling“ im

Männer-Turnverein

Einen besonderen Namen machte er sich zunächst als Kolonnenführer des Sanitätszugs Celle und als Vorsitzender der Kolonne vom Roten Kreuz Celle. Vorher hatte er dem Männer-Turnverein (MTV) Celle zunächst als Zögling, sprich: Jungturner, angehört, ehe er laut seiner Mitgliedskarte am 1. April 1907 als Turner in den Verein aufgenommen wurde. Ein altes Foto im Besitz der Großkinder zeigt Karl Coldewe mit Ehefrau, Sohn und Tochter im Turneranzug mit dem Emblem der Deutschen Turnerschaft.

Am 13. Januar 1923 wurde Karl Coldewe zum Bezirksgeschäftsführer gewählt, wie ein Vermerk in seinem Turnerpass, eingetragen vom Bezirksvertreter Wilhelm Margraf in Celle (der Gründer des Ateliers für Photographie) am 17. Oktober 1924, ausweist. Damals waren die Turnbezirke anders aufgeteilt als heute. So gehörte der MTV Celle zum IV. Bezirk Celle, VI. Kreis - Leine-Weser-Gau der Deutschen Turnerschaft. Ab 1924 wurde die ratenweise Kopfsteuer des Männerturnvereins „Vater Jahn“ Wathlingen und außerdem Ende 1925 der Beitrag desselben für die Kreisunfallunterstützungskasse (5,25 Reichsmark) an Karl Coldewe adressiert.

Karl Coldewe nahm am Ersten Weltkrieg (1914–1918) teil, eingezogen wurde er am 21. September 1914 als freiwilliger Krankenpfleger. Mit diesem Dienstgrad leistete Coldewe unter anderem Dienst im Vereinslazarettzug. Sein letzter Truppenteil war der Territorialdelegierte der Freiwilligen Krankenpflege und der Angelegenheiten des Roten Kreuzes in Potsdam.

Coldewe erhielt im Laufe seines Lebens eine ganze Reihe Orden Ehrenzeichen: Vom Turnerbund gab es den Kreis-Ehrenbrief 21, den Herbstmond 1935 und das Gedenkblatt für 25-jährige Mitgliedschaft am 26. September 1931. In den Organisationen Rotes Kreuz und Feuerwehr wurde er mit dem Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer 1914-1918, der Kriegsdenkmünze 14/18 des Kyffhäuser-Bundes, den Auszeichnungsborten für neun / 15 / 25 Jahre, dem Ehrenzeichen für zehn Jahre, dem Silbernen Treudienst-Ehrenzeichen, der Rote-Kreuzmedaille dritter Klasse, der Rote-Kreuzmedaille 2. Klasse und dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse geehrt.

Von Beruf war Karl Coldewe Registraturassistent beim Amtsgericht Celle. Er wurde dort später Justizsekretär und wechselte mit dieser Amtsbezeichnung zum Amtsgericht Neustadt a. Rbge. In Celle wohnte er in den Häusern Fuhsestraße 6 a, Breite Straße 14, Spörckenstraße 24, Alte Grenzstraße 22 und Trift 20.

Karl Coldewe war ab 1921 Feuerwehrmann. Sein Diensteintritt in die Freiwillige Feuerwehr Celle, Löschzug 1, erfolgte zum 1. Oktober 1921. Als Führer der Sanitätskolonne Celle bekam er bei seinem Eintritt in die Wehr den Titel Zugführer. Er leistete von Anbeginn an Dienst als Brandmeister. Wie aus seinem Feuerwehrpass weiter hervorgeht, war Coldewe vom 1. April 1930 an im Kreisverband tätig und vom 1. Februar 1934 ab im Kreisfeuerwehrverband Celle-Land als Pressewart und Ausbilder im Luftschutz und Sanitätsdienst. Schon am 1. April 1930 erfolgte seine Beförderung zum Oberbrandmeister. Für den Kreisfeuerwehrverband Celle koordinierte Coldewe ab 1931 als Sanitätskolonnenführer die seit 1928 im Stadt- und Landkreis Celle bestehenden Sanitätskolonnen. Die von ihm geführte Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Celle wurde 1930 der Freiwilligen Feuerwehr Celle als 4. Zug angehängt.

Im Stundenplan für den Kursus vom 27. April bis einschließlich 2. Mai 1931, dem ersten Kurs an der damals neu geschaffenen Einrichtung überhaupt, finden wir Sanitätskolonnenführer Karl Coldewe als Lehrer am Mittwoch in der Zeit von 15 bis 15.50 Uhr. Seine Lehrinhalte: Erste Hilfe, Notverbände, Wiederbelebung.

Mit der „Machtübergabe“ durch „Hitlers willige Helfer“, allgemein als Machtergreifung der Nationalsozialisten bezeichnet, begann für Deutschland das dunkelste Kapitel seiner Geschichte. Auch den Feuerwehren ging der braune Zeitgeist nicht vorüber. Viele marschierten mit, andere passten sich an, wenige nur versuchten, sich fernzuhalten. Beim 17. Kreisfeuerwehr-Verbandstag am 21. Mai 1933 in Garßen hielt Karl Coldewe im Gefühl großer Veränderungen seinen Jahresbericht, der da endet:

Kameraden! Wir schließen heute ein Geschäftsjahr. Ein neues Jahr beginnen wir. Und mit welchem Stolze können und dürfen wir es beginnen: Ist doch alles Schwere und Fremde von uns genommen, können wir doch jetzt wieder arbeiten und schaffen mit dem festen Bewusstsein, dass es nun aber auch vorwärts gehen wird. Es wird aber nur dann vorwärts gehen, wenn wir alle, ein jeder an seinem Platze, seine Pflicht treu erfüllen wird. Das Höchste, was ein deutscher Mann besitzt, ist seine Pflicht, und wo dieses Wort Leitstern ist, wird es niemals einen Rückgang geben, sondern werden wir vorwärts kommen, aufwärts gehen, der Sonne entgegen, zu der auch wir Deutsche ein Recht haben. Halten wir alle zusammen in treuer Kameradschaft, Kameraden, dann sind wir oben, wo die Freiheit wohnt, wo die Freiheitssonne scheint, und unser deutsches Vaterland ist wieder ein glückliches, gesegnetes Land. Hier mitzuarbeiten ist wohl des Schweißes eines jeden Feuerwehrmannes wert, also Kameraden: vorwärts und aufwärts zum Ziel. Kameraden! Des sind wir gewiss, was Treue und Pflichterfüllung anlangt, lassen sich die Freiwilligen Feuerwehren von niemandem übertreffen.

Mit Datum vom 6. November 1933 wurde dem Kolonnenführer Karl Coldewe ein neuer Ausweis vom Deutschen Roten Kreuz, Sanitätszug in Celle, ausgestellt. Der Oberbürgermeister als Ortspolizeibehörde in Celle beglaubigte das Dokument unterm gleichen Datum. Gültigkeit sollte der Ausweis bis Ende 1939 haben. Zu dem Zeitpunkt, 1933, wohnte Coldewe an der Breiten Straße 14.

Am 1. Februar 1934 wurde Karl Coldewe in seiner Eigenschaft als Pressewart des Kreisfeuerwehrverbandes Celle Stadt und Land zum Hauptbrandmeister befördert. Er gehörte als Pressewart, Schrift- und Kassenwart dem 1934 eingesetzten Führerrat des Kreisfeuerwehrverbandes an.

Beim 18. Kreisfeuerwehr-Verbandstag am 2. September 1934 in Westercelle hielt der Pressewart einen Rückblick auf das 25-jährige Bestehen des Kreisfeuerwehrverbandes. Am 31. Oktober 1934 begleitete er in seiner Funktion den Kreisfeuerwehrführer Ernst Buchholz aus Garßen nach Groß Eicklingen, wo am Abend die Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen wurde. Karl Coldewe sprach im weiteren Verlauf der Gründungsversammlung über das Sanitätswesen der freiwilligen Feuerwehren.

„Coldewe hat seinen Dienst jederzeit vorbildlich geleistet“

Im zweiten Halbjahr 1936 steuerte Karl Coldewe gemeinsam mit dem Kameraden Brandmeister Wilhelm Probst aus Winsen a. d. Aller die für alle Löschbezirke des Celler Kreisgebiets angesetzten Sanitäts- und Gasschutzausbildungen, wobei sein Part naturgemäß beim Sanitätsdienst lag. Im Feuerwehrpass heißt es: „Hauptbrandmeister Coldewe hat seinen Dienst jederzeit vorbildlich geleistet.“ Darunter finden wir die Unterschrift vom Kreisfachwart und Vertreter des Kreisfeuerwehrführers, Heinrich Helms in Winsen a. d. Aller, vom 1. Februar 1938. Die gleichen Worte des Lobes fand dann auch der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Celle, Gustav Krohne, die er am 26. April 1939 in das Feld 11, „Angaben über die Führung im Dienst und Bewertung der Dienstleistungen“, eintrug.

Zu diesem Zeitpunkt war Karl Coldewe bereits nach Neustadt a. Rbge. (am Rübenberge) versetzt worden. In einem Schreiben des Landrats des Kreises an den Obergerichtspräsident in Celle vom 2. Oktober 1945 sind folgende Daten genannt:

Karl Coldewe kam am 1. Februar 1938 nach Neustadt a. Rbge., wo er im Haus Wunstorfer Straße 1 lebte. Zum 1. April 1939 wechselte er dann auch die Feuerwehr. Oberbrandmeister Köster von der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt a. Rbge. übernahm Karl Coldewe unter dem Datum „zur Dienstleistung als Hauptbrandmeister“. Coldewe wurde nach den Bemerkungen im Feuerwehrpass dem Führerrat des Kreisfeuerwehrverbandes zur Dienstleistung zugeteilt. In der Folgezeit, beginnend am 13. Oktober 1938 (Luftschutz), besuchte Coldewe verschiedene Lehrgänge an der Provinzial-Feuerwehrschule Celle.

Kreisfeuerwehrführer Bäckermeister Friedel Kallmeyer attestierte im Feld „Besondere Bemerkungen“: „Coldewe hat die Ausbildung im Sicherheits- und Hilfsdienst im Kreisverband durchgeführt, er war mein ständiger Vertreter und die ihm gestellten Aufgaben jederzeit freudig und zur vollsten Zufriedenheit durchgeführt. Nach meinem Fortzug habe ich ihn als Führer des Kreisverbandes vorgeschlagen. Neustadt a/Rbge, 1. Juni 1939.“

Stellvertretender

Kreisfeuerwehrführer

Seit dem 15. Juni 1939 war Karl Coldewe vertretungsweise mit der Führung des Kreisfeuerwehrverbandes beauftragt und ab 19. September 1939 stellvertretender Kreisfeuerwehrführer. Durch Verfügung vom 18. April 1940 erfolgte die Ernennung zum „Kreisführer der Freiwilligen Feuerwehr“ und Ehrenbeamten auf feuerwehrtechnischem Gebiet. Er trat damit an die Stelle des an der Front befindlichen Kallmeyer.

„Inhaber dieses, ist durch Erlaß vom 1.5.42 das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse verliehen worden. Neustadt a/Rbge, den 13. August 1942“, heißt es in Coldewes Feuerwehrpass.

Der Feuerwehrführer war Leiter großer Löschmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg, so bei den Bombenangriffen auf Schneeren, Mardorf und wiederholt auch in der Landeshauptstadt Hannover (1943). Nach dem Krieg war er bemüht, die teilweise ihrer Spritzen, Fahrzeuge und Gerätschaften beraubten Wehren wieder löschfähig zu machen.

Ab 13. Dezember 1944 folgte die Überweisung an das Landratsamt als Kreisführer der Freiwilligen Feuerwehr. Am 12. April 1945 wurde er durch die britische Militärregierung wieder als Kreisfeuerwehrführer eingesetzt.

In der „Hannoverschen Presse“, Kreisbeilage Neustadt, vom 5. Mai 1950 tauchte er im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Neustadt vom 7. April 1945 als Kreisbrandmeister C. in Erscheinung:

Am 7. April 1945, nachmittags, richtete Neustadt sich auf die Besetzung der Stadt ein. Am Vormittag war Fuhrunternehmer Heinrich B. [Namen von der Rübenberge-Redaktion geändert.] aus der Mittelstraße im amtlichen Auftrag nach Wunstorf gefahren, um etwas abzuholen. Er konnte gerade noch rechtzeitig kehrt machen, als er von weitem die roten Mützen sah. Um 15 Uhr waren die Engländer vom Flughafen Wunstorf her in Bordenau eingedrungen und um 16 Uhr kamen einige Bauern in die Stadt, die berichteten: „In Poggenhagen sind sie und kochen Tee“. Die Neustädter warteten Stunde um Stunde, aber nichts geschah. Der monotone Schritt der Wachtposten, die das Brückensprengkommando in der Marktstraße aufgestellt hatte, ging den Bürgern auf die Nerven. „Es ist doch Wahnsinn, jetzt noch die große Brücke in die Luft zu jagen“. Die Zahl derer, die so dachten, überwog. Kaufmann B., Uhrmacher B. und Kaufmann D. gingen um 16 Uhr über die Brücke, um den Feldwebel, der die Pioniergruppe führte, zu bewegen, die gelben Zündschnüren zu zerschneiden. Der aber ließ sich auf kein Gespräch ein. Eine andere Gruppe Neustädter Bürger, Fabrikant M., Apotheker R. sen. und Oberst a.D. S. aus M. [Ortsname von der Rübenberge-Redaktion geändert], hatte bei ihren Bemühungen den gleichen Misserfolg. Der Soldat bestand auf einen schriftlichen Befehl vom Major. Der aber saß in Otternhagen. Im Landratsamt hatten sich um 18 Uhr Landrat S., der Polizeichef, Kreisbrandmeister C. und Amtmann F. versammelt. Kaufmann B. bat den Landrat um Vermittlung zur Verhinderung der Brückensprengung, die möglicherweise schweres Leid für die Stadt heraufbeschwören würde. Doch Landrat S. sah sich außerstande, gegen den militärischen Befehl etwas unternehmen zu können. Man hatte wohl die Hoffnung aufgegeben, die Brücke noch retten zu können. Der Abend nahte. Von weitem hörte man einige Gewehrschüsse. Sonst blieb es ruhig. Die Bürger gingen zeitig in ihre Häuser. Viele richteten sich auf eine Nacht im Keller ein. Das Schicksal der Stadt musste sich in den nächsten Stunden entscheiden. Aber wie es sein würde, wusste niemand. Nur bei Gastwirt H. in der [...]straße war spät abends noch Betrieb. Hier saßen einige Unentwegte und ließen sich das Leben nicht verdrießen. Unter ihnen war Heinrich B., der schon am Vormittag Tuchfühlung mit den Engländern genommen hatte und der junge Bauer Heinz Be. von gegenüber. (...)

Leidenschaftlicher

Kartenspieler starb 1953

Karl Coldewe, der übrigens leidenschaftlicher Kartenspieler und zeitlebens ohne Führerschein war, wurde vom Schirrmeister Heinrich Krippner häufig nach Hannover gefahren, als es um die Ausarbeitung des Gesetzes über den Feuerschutz im Lande Niedersachsen vom 21. März 1949 ging. Er starb am 8. Mai 1953 in Neustadt a. Rbge. im Haus Wunstorfer Straße 1 an Gehirnschlag. „Herr Karl Coldewe ist im Alter von 64 Jahren 1 Monat 10 Tagen gestorben“, lautet der Eintrag im Kirchenbuch der Evangelisch-lutherischen Liebfrauen-Kirchengemeinde Neustadt.

Quellen:

Archiv der Region Hannover, Neustadt a. Rbge..

Stadtarchiv Celle L 14 101: Sanitätsdienst bei der Freiwilligen Feuerwehr, Angliederung der Freiwilligen Sanitätskolonne an die Freiwillige Feuerwehr, 1890–1905, 1925–1929.

Klaus Heisig: Gründung und Entwicklung, Aufsatz in: Festschrift 50 Jahre Niedersächsische Landesfeuerwehrschule Celle 1931–1981, Celle 1981 (Stundenplan von 1931 auf S. 18).

Hans Hische; Werner Schmidt: Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Celle, Celle 1989.

Albert Michaelis: 100 Jahre Kreisfeuerwehrverband Celle 1908–2008, Bergen 2008.

Hannoversche Presse, Kreisbeilage Neustadt, vom 5. Mai 1950.

Von Matthias Blazek