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Celle Stadt Ältestes Celler Bürgerbuch beginnt 1534
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ältestes Celler Bürgerbuch beginnt 1534
10:38 03.03.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

„Ich schwere das ich unserem gnedigen fursten und herrn Bürgermeister Rath und gemeyner Stadt wolle gehorsam getrew und holde sein, Ihren nutz und fromen furderen und schaden warnen, so wahr helff mit godt und sein heylig worth.“ Diese Worte musste jeder, der das Celler Bürgerrecht erwerben wollt, in der frühen Neuzeit vor Bürgermeister und Rat schwören. Und die Namen derer, die den Eid geleistet haben, wurden dann im Bürgerbuch festgehalten.

Jeder, der als Bürger in der Stadt leben wollte, musste das Bürgerrecht durch einen Bürger-und Huldigungseid erwerben und dafür das Bürgergeld zahlen, außer man war ein geborener Bürger. Dieser Vorgang wurde dann in die Bürgerrolle eingetragen. Warum stammt das erste Verzeichnis in Celle erst aus dem Jahr 1534? Brachte die kirchliche Reformation vielleicht auch eine Reformation der Verwaltung mit sich? Und die alten Unterlagen wurden als wertlos angesehen? Oder ist das mittelalterliche Stadtarchiv gar in Flammen aufgegangen und nur die städtischen Urkunden haben überlebt? Wir wissen es nicht. Denn eines ist sicher, auch in mittelalterlicher Zeit musste man Bürger sein, um sich mit allen Rechten und Pflichten in Celle niederzulassen.

Bevor jemand als Bürger angenommen wurde, kamen seine Verhältnisse sehr genau auf den Prüfstand. Er musste eine eheliche Geburt von christlichen und ehrbaren Eltern nachweisen. Auch durfte er mit niemanden in Feindschaft leben, was der Stadt vielleicht Schaden zufügen konnte. Das Bürgerrecht brachte neben den Pflichten – etwa Hand- und Spanndienste zu leisten und den Wachtdienst bei der Bürgerwehr zu übernehmen – auch viele Vorteile mit sich. So hatten die Bürger als Hausbesitzer Stimmrecht in der Bürgerversammlung, konnten in bürgerliche Ämter gewählt werden und das Gemeindegut wie Weiden, Forsten und Torfmoor nutzen.

Eine besondere Auszeichnung war es aber, wenn Bürgermeister und Rat das Bürgerrecht verdienten Menschen verehrten. Am 23. Mai 1547 trug Celles Bürgermeister Cord Hollemans mit „myn eygen handt“ in das erste erhaltene Bürgerbuch ein, dass der Rat seinem ehemaligen Stadtschreiber Simon Hoppener und seinen Kinder das Bürgerrecht verehrt hat.

Simon Hoppener war der erste weltliche und vermutlich juristisch gebildete Stadtschreiber, seine Celler Vorgänger gehörten stets zum geistlichen Stand. Hoppener übte dieses Amt von 1527 bis 1533 aus, war dann von 1533 bis 1537 fürstlicher Amtsschreiber und von 1537 bis 1568 fürstlicher Rentmeister. Bei Herzog Ernst dem Bekenner stand er „in großen Gnaden“. Äußeres Zeichen dafür ist das heute noch erhaltene, mit reichen Schnitzereien versehene und wohl schönste Fachwerkhaus Celles, das sogenannte Hoppener Haus. Das Baugrundstück verehrte ihm der Herzog auf dem Bereich der Stadterweiterung von 1530.

Von Sabine Maehnert