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Celle Stadt Ärger über "Sauffstube" im Celler Rathaus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ärger über "Sauffstube" im Celler Rathaus
14:11 24.03.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Die Jahrhundertwende 1599/1600 war für die Celler Bürger eine schwere Zeit, denn die Stadt war hart von der wütenden Pest getroffen. Es waren in den Jahren 1597 bis 1599 fast 900 Menschen gestorben. Viele Bürger verließen deshalb fluchtartig die Stadt. In den leerstehenden Häusern nistete sich Gesindel ein, Diebstähle griffen um sich. Die Lebensmittel wurden knapp und zu allem Überfluss verursachte das Frühjahrshochwasser 1599 erhebliche Schäden an den Deichen und Schleusen.

Es kam zu einer allgemeinen Unzufriedenheit, die sich insbesondere auch an der Misswirtschaft durch Bürgermeister und Rat festmachte. Das Fass kam zum Überlaufen, als am 14. Februar 1600 die 23 Geschworenen der städtischen Handwerksgilden ins Rathaus kommen mussten. Es wurde ihnen die Aufforderung zur Zahlung des dreifachen Schatzes bekanntgegeben. Die Bürger waren wohl bereit, dem Landesherrn den Schoss zu entrichten, sie nahmen es aber nicht klaglos hin, dass sie für die Misswirtschaft des Rates zu höheren Abgaben gezwungen werden sollten. Sie kritisierten die hochmütige Behandlung durch den Rat, der sie zum Beispiel in „ungebührlicherweise“ duzte. Sie beschwerten sich über Völlerei und Saufgelage des Rates, der die Ratsstube zu einer „Sauffstube gemachet“ hat. In erster Linie kritisierten sie aber die Verschleuderung städtischer Gelder und die Vernachlässigung der Ratsaufgaben, insbesondere auch die Instandsetzung der städtischen Dämme und Deichanlagen. Denn ihrer Ansicht nach hätten die Schäden von 1599 verhindert werden können.

Die Auseinandersetzung zwischen Rat und Bürgerschaft zogen sich über mehrere Monate hin und es kam zu verschiedenen Treffen und Diskussionen im Rathaus. Die leere Stadtkasse sei lediglich der Misswirtschaft von Bürgermeister und Rat mit dem Hang zu Luxus und Verschwendung zuzuschreiben, hieß es. Die Bürgerschaft forderte nun Rechnungslegung des Rates, die Einhaltung der Polizeiordnung zur Reglementierung von Luxus, schickliches Verhalten des Rates gegenüber der Bürgerschaft, keine Haftbefehle im Trunke auszufertigen und letztlich sollte der Rat durch seine Arbeit den bürgerlichen Wohlstand befördern.

Am Ende des langen Streites musste der fürstliche Kanzler noch als Streitschlichter auftreten. Er legte fest, dass der Rat drei Vertreter der Bürgerschaft bestimmen und die Bürger noch fünf Vertreter aus ihren Reihen wählen sollten. Damit waren die Achtmänner als Vertreter der Bürgerschaft in der Stadtregierung geboren. Erstmals hatte die Celler Bürgerschaft durch ihre Hartnäckigkeit eine Beteiligung am Stadtregiment errungen.

Von Sabine Maehnert