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Celle Stadt Ärger um „Pace“-Ausschreibung: Bieter fühlt sich von Stadt benachteiligt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ärger um „Pace“-Ausschreibung: Bieter fühlt sich von Stadt benachteiligt
17:00 12.11.2010
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

„Ort der Maßnahme ist das Stadtgebiet Celle. Der Maßnahmeort sollte innenstadtnah (im Umkreis von zwei Kilometern zum Innenstadtgebiet), aber nicht im Innenstadtgebiet liegen.“ Es sind Formulierungen wie diese, die Björn Köhler vom Bildungsträger „Bildung-Ausbildung-Arbeit-Köhler“ (BAAK) argwöhnisch machen. Der Satz ist Bestandteil der städtischen Ausschreibung für die kommende Förderperiode des Landesprogrammes Pace (Pro-Aktiv-Center), in dem BAAK derzeit beteiligt ist. Noch – denn Köhler fürchtet, beim Zuschlag nicht berücksichtigt zu werden.

„Wir werden durch die Ausschreibungskriterien benachteiligt“, sagt Köhler und verweist unter anderem auf die Räumlichkeiten, in denen BAAK die jungen Leute unterrichtet. Diese liegen im Nordwall und damit eben genau in dem Innenstadtbereich, den die Stadt als Maßnahmeort nicht haben will.

Doch das ist nicht der einzige Punkt, den Köhler an der Ausschreibung kritisiert. „Wir haben in der Vergangenheit sehr erfolgreich gearbeitet“, macht er geltend und verweist auf eine Vermittlungsquote von an die 80 Prozent. „Doch die Vermittlungsquote ist explizit kein Auschreibungskriterium“, so Köhler, der das überhaupt nicht verstehen kann. Gehe es doch darum, den Jugendlichen Abschlüsse, Jobs und Perspektiven zu vermitteln.

Weitere Kritikpunkte sind unter anderem, dass zusätzliches Personal gefordert wird – BAAK wird hingegen von Köhlers Ehefrau Sabine und ihm betrieben – oder auch der Umstand, dass der Auftrag nicht mehr in Lose aufgeteilt, sprich unter mehreren Anbietern aufgeteilt wird, wovon in der Vergangenheit vor allem kleinere Anbieter wie BAAK profitiert hätten.

Köhler äußert dabei einen schwerwiegenden Vorwurf: „Die Ausschreibung ist so formuliert, dass wir ausgeschlossen werden.“ Und das, so vermutet er, sei Absicht. Denn, so Köhlers weitere Ausführungen. Nachdem man mit den beteiligten Sozialarbeitern von Pace inhaltlich aneinander geraten sei, versuchten diese nun, BAAK von dem Folgeauftrag auszuschließen.

Im Neuen Rathaus weist man diesen Vorwurf vehement zurück. 1. Stadträtin Susanne Schmitt: „Wir haben ein neues Konzept für das Programm entwickelt, das unter anderem Monitoring und die Einbindung von Partnerbetrieben vorsieht.“ Hinter der Regelung zum Maßnahmeort stehe nicht die Absicht, die Köhlers auszuschließen. „Uns geht es darum, vom Neuen Rathaus aus eine räumliche Nähe zu den Jugendlichen zu haben, ohne dass diese in der Innenstadt zu vielen Ablenkungsmöglichkeiten ausgesetzt sind“, führt Schmitt aus. Denn in der Vergangenheit sei es durchaus schon einmal vorgekommen, dass der eine oder andere Jugendliche ausgebüxt sei.

Wirtschaftsförderer Thomas Faber verwies darauf, dass Aspekte wie der Maßnahmeort kein K.-o.-Kriterium seien. „Es werden Punkte vergeben, nicht erfüllte Kriterien kann man an anderer Stelle wieder ausgleichen.“ Die Vermittlungsquote sei zwar kein extra Punkt, würde allerdings bei den Referenzen berücksichtigt.

Faber, der zwischenzeitig bei der Vergabekammer Niedersachsen einen Antrag auf Nachprüfung gestellt und mangels Erfolgsaussichten wieder zurückgezogen hat, will nun erst einmal das Ergebnis der Ausschreibung abwarten.