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Celle Stadt Ärger um weitere Celler Gesamtschule
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ärger um weitere Celler Gesamtschule
10:58 06.04.2016
Quelle: Ulrich Frassl
Celle Stadt

Ulrich Kaiser (WG) begründete den Antrag mit zahlreichen Einwänden aus den Schulen und Ungereimtheiten des Gutachtens: „Die Verschiebung ist notwendig, das haben die Äußerungen der Schulleiter bei der Anhörung mehr als deutlich gemacht.“ Es sei zudem „dreist“ von dem Gutachter Wolf Krämer-Mandeau einfach zu sagen, Pädagogik sei nicht Aufgabe des Schulträgers. Auch die Tatsache, dass er vor einigen Jahren noch behauptet habe, alleine eine Gesamtschule sei eine Gefährdung der Schullandschaft, und dass er dieses jetzt abtue, sei nicht stichhaltig.

Grüne und SPD brachte dieser Antrag aber auf die Zinne. „Das ist ein Schlingerkurs der Mehrheitsgruppe“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Mathias Pauls. Anstatt den Elternwillen abzufragen und dann zu entscheiden, stelle die WG jetzt den Antrag, nichts zu tun. „Schade für die 100 Eltern, die nächstes Jahr wieder nicht ihre Wahl bekommen, weil ihre Kinder bei der bestehenden IGS abgelehnt werden“, ergänzte sei Fraktionskollege Maximilian Schmidt.

Bernd Zobel von den Grünen sprach mit Blick auf den zuvor gestellten CDU-Antrag für die Prüfung eines Gesamtschulstandortes auf der Heese und dem Schulgutachten von einer „schulpolitischen Irrfahrt. „Jetzt haben wir 'rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln', und bei Ihnen höre ich zwar viele hochtrabende Argumente, aber etwas zum Thema Eltern habe ich nicht gehört“, sagte Zobel in Richtung der WG.

Hans-Georg Ratsch-Heitmann (CDU) begründete das Umdenken. „Das Losverfahren ist ein Dilemma. Deshalb haben wir nach einer Lösung mit dem Gutachter gesucht. Die Ergebnisse haben uns überrascht“, räumte Ratsch-Heitmann ein. Das Gutachten habe aber vor allem eines gezeigt. „Eine Entscheidung verändert alles und viele Schulleiter sagen uns: 'Tut das bitte nicht.' Es macht keinen Sinn, dieses Muster mit heißer Nadel zu stricken.“ Sein Fraktionskollege Torsten Harms ergänzte, dass es bürgernahe Politik sei, zunächst mit den Betroffenen zu reden. „Das ist sicher auch eine Lehre aus der Reform vor einigen Jahren“, sagt Harms.

Am Ende wurde der Antrag zwar einstimmig in den Schulausschuss verwiesen, doch das Votum gab sicher nicht den Diskussionverlauf wieder.

Meinung: Gefährliches Feld

Der Wahlkampf in Celle hat begonnen und die Stimmung in den Parteien wird nervöser. Dass das Thema von zusätzlichen Gesamtschulen in den Monaten bis zur Wahl eine wichtige Rolle spielen wird, wurde am giftigen Ton im Kreistag deutlich. Sowohl für CDU und WG auf der einen als auch für SPD und Grüne auf der anderen Seite kann diese Diskussion als böser Schuss nach hinten losgehen. Die CDU ist mit ihrem Prüfauftrag für eine weitere Gesamtschule in Celle vorgeprescht und zieht sich jetzt stückweise auf die Position der WG zurück. Das könnten die Wähler so sehen wie Gerald Sommer (Grüne): „Erst den Ball aufblasen und jetzt ins Gebüsch schießen, damit er nicht mehr gefunden wird.“

Doch es könnte auch ganz anders kommen. Denn in vielen Schulen sind sowohl Eltern als auch Lehrer reformmüde. An dem Kraftakt der Oberschul-Einführung 2012 arbeiten viele Schulen noch immer. Sie wollen Ruhe und sehen die vehementen Forderungen von SPD und Grünen nach zusätzlichen Angeboten kritisch. Am Ende könnten sie gegen die Parteien stimmen, die weitere Reformen wollen. Ob die Zahl der Befürworter einer zusätzlichen Gesamtschule für die Opposition ausreicht, ist eher fraglich.

Von Tore Harmening