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Celle Stadt Ärztemangel: Immer mehr Patienten im Landkreis Celle wählen 112
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ärztemangel: Immer mehr Patienten im Landkreis Celle wählen 112
17:25 13.01.2014
Von Simon Ziegler
Das DRK will den Rettungsdienst als "echten Rettungsdienst" erhalten und nicht wegen Bagatellverletzungen angefordert werden.  Quelle: Nicolas Armer
Celle Stadt

Das Rote Kreuz schlägt Alarm: "Es kann nicht sein, dass der Rettungsdienst den demografischen Wandel kompensieren muss", sagt der DRK-Landesgeschäftsführer in Niedersachsen, Ralf Selbach. Der Bedarf an Rettungsleistungen steige immer mehr, weil die Ärztedichte abnimmt. Außerdem sei der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst mancherorts schwer zu erreichen. Ergebnis: Bürger gehen mit ihren Leiden gar nicht oder zu spät zum Arzt. Und irgendwann wird es so schlimm, dass sie zum Telefon greifen und 112 wählen.

Doch das DRK will den Rettungsdienst als "echten Rettungsdienst" erhalten und nicht wegen "Bagatellverletzungen" übers Land fahren, wie Selbach sagt. Über die künftige ärztliche Versorgung in der Fläche und mögliche Projekte zur Verzahnung mit dem Rettungsdienst wurde in der vergangenen Woche auf einer Tagung in Goslar gesprochen. Es werden bereits "rollende Sprechstunden" diskutiert. Das heißt: Rettungsdienste übernehmen die ambulante Versorgung gleich mit, die ärztliche Leistung wird mit der Transportleistung verknüpft.

Uwe Ammoneit, Leiter des DRK-Rettungsdienstes in Celle, glaubt, dass es vor vor gut zehn Jahren mit den Kassenärztlichen Bereitschaftsdiensten im Kreis Celle eine gute Versorgung gegeben habe. "Jetzt sind immer weniger Ärzte für immer größere Flächen zuständig", schildert er das Problem. Also werde früher der Notruf getätigt. Zudem habe sich wohl auch das Anspruchsdenken der Patienten verändert.

Der Landkreis Celle hat das Rote Kreuz und den Rettungsdienst Marquardt aus Bergen mit den Rettungsdiensten beauftragt. Dabei sollen ausschließlich Notfälle behandelt werden. Für den Rettungsdienst hat das DRK im Kreis Celle 16 Wagen und 76 hauptamtlich Beschäftigte zur Verfügung. Die Wagen der Rettungsdienste sind heute kleine, mobile Intensivstationen, die besser ausgerüstet sind als die meisten Arztpraxen. Daneben sind Anbieter wie Malteser und Johanniter für Krankentransporte zuständig. Wenn also der diensthabende Arzt der Notfallpraxis einen Patienten nachts ins Krankenhaus einweist, dann wird der Krankentransport gerufen.

Beim Landkreis Celle glaubt man trotz der Darstellung des Roten Kreuzes nicht daran, dass die Anrufe bei der Leitstelle signifikant steigen würden. Im Zuge des demografischen Wandels würde es zwar zu Veränderungen kommen, sagt Ordnungsamtsleiter Eckhard Ferg. Doch sei der Kassenärztliche Notdienst in der Lage das abzudecken. Dennoch: "Tatsache ist, dass unsere Einsatzzahlen in der Leitstelle jedes Jahr um etwa zwei bis drei Prozent gestiegen sind", sagt er. Jedes Jahr werden im Landkreis Celle 16.500 Notfallrettungen und rund 15.000 Krankentransporte gefahren.

Kern des "Strukturproblems" ist aus Sicht des Roten Kreuzes der Ärztemangel auf dem Lande. Deshalb wünscht sich der Landesverband, dass die Politik mehr Anreize für die Ansiedlung von Ärzten schafft.

Simon Ziegler