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Celle Stadt AfD holt fast elf Prozent bei Celler Kreistagswahl (mit Ergebnisgrafiken)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt AfD holt fast elf Prozent bei Celler Kreistagswahl (mit Ergebnisgrafiken)
09:01 12.09.2016
Celle Stadt

Das Interesse an den Wahlen war riesengroß. Das zeigte sich sehr schnell am frühen Abend, wenn Interessierte die Seite des Landkreises für die Wahlergebnisse aufrufen wollte. Der Server ging ob der vielen Anfragen offenbar in die Knie und das blieb bis spät in die Nacht so.

Einer der größten Gewinner des Abends kreisweit gesehen war die AfD. Sie folgte dem derzeitigen Bundestrend, etablierte sich quasi in allen Wahlbezirken und lag bei Redaktionsschluss nach 183 von 205 Wahlbezirken stabil über 10,5 Prozent. Sie wird im neuen Kreistag nach dem letzten Stand der Prognose mit sechs Abgeordneten vertreten sein. Von der AfD gab es gestern keine Stellungnahme. Der AfD-Kreisvorsitzende Thomas Ehrhorn war nicht zu erreichen.

Die anderen Parteien werteten das Ergebnis als „Alarmsignal“, wie der SPD-Unterbezirksvorsitzende Maximilian Schmidt sagte. „Wir werden die Auseinandersetzung suchen. Aus meiner Sicht gibt es bei der AfD wenig Inhalte und viel Protest“, so Schmidt. Seine Partei hatte einige Prozentpunkte verloren. Schmidt wollte das aber noch nicht kommentieren, weil aus seiner Sicht noch einige größere Wahlbezirke fehlten.

Klarer Sieger des Abends nach Stimmen insgesamt war die CDU. Sie hatte zwar kleinere Einbußen, lag aber am Schluss fast auf dem Ergebnis von 2011. „Wir haben ein gutes Ergebnis eingefahren und die Wähler im Landkreis Celle haben uns wieder klar das Mandat als stärkste Partei gegeben“, sagte der CDU-Kreisvorsitzende Henning Otte. In Bezug auf die AfD meinte der nur, dass diese „jetzt zunächst mal ihre Arbeitsfähigkeit nachweisen muss. Ansonsten sehe ich niemanden, der mit ihnen zusammenarbeiten möchte.“

Auch wenn die Christdemokraten ihr Ergebnis mit Verlusten halten konnten, so werden sie sich wohl einen neuen Koalitionspartner suchen müssen. Die WG-Landkreis verliert nach den Prognosen gegen 22 Uhr fast ein Drittel der Stimmen und hätte nach der Rechnung nur noch drei Sitze. „Wenn es denn so kommt, haben wir die Wahl offenbar in der Stadt Celle verloren“, sagte Ulrich Kaiser (WG). Dort habe es teilweise sehr niedrige Ergebnisse gegeben. Das AfD-Ergebnis bezeichnete er als „Ohrfeige für die etablierten Parteien. Da werden wir uns alle fragen müssen, was man besser machen kann.“

Auch Charles Sievers (FDP) trieb dieses gute Abschneiden der AfD um. „Der Wahlkampf hat damit jetzt erst begonnen“, sagte Sievers. Man müsse die Wähler wieder abholen. Über das eigene Ergebnis freute sich Sievers, hoffte aber noch auf ein paar Stimmen mehr im Verlauf des Abends.

Der Grüne-Kreischef Bernd Zobel fand es schon heftig, dass eine Partei wie die AfD in einem Ort wie Belsen gleich neben der Gedenkstätte 16 Prozent einfährt.“ Er zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis seiner Partei. „Wir haben unser Ziel, drittstärkste Kraft zu werden, klar verfehlt und das Erstarken der Rechten ist kein gutes Zeichen“, sagte Bernd Zobel. Die Grünen seien aber nicht traurig, sondern würden das Ergebnis als Ansporn nehmen, zumal die Ergebnisse von 2011 im Zeichen von Fukushima gestanden hätten und nicht ohne weiteres wiederholbar gewesen seien.

Behiye Uca (Linke) wollte den Abend noch abwarten. Sie hoffte auf einen zweiten Sitz für ihre Partei im Kreistag. Das würde ihrer Partei auch den Fraktionsstatus verschaffen.

Es waren anstrengende Wochen für alle Politiker. Generell war die Erleichterung zu spüren, dass die intensive Zeit vorbei ist. „Ich habe viel Bewegung wahrgenommen, aber auch spiegelbildlich zu ganz Deutschland eine Verunsicherung in der Celler Bevölkerung“, sagte der CDU-Kreisvorsitzende Otte. Diese müsste die Politik auch in Berlin stärker aufgreifen. Themen im Wahlkampf seien unter anderem die Ostumgehung und Breitband aber auch Kindertagesstätten und Schulen gewesen.

Die SPD hat nach den Worten des Unterbezirksvorsitzenden Schmidt eine gemeinsame Kampagne aus einer Hand für die Fläche und auch die Oberbürgermeisterwahlen gefahren. „Und wir haben das alles ehrenamtlich gemacht“, betont Schmidt. Er hat unter anderem wahrgenommen, dass Themen wie Bildung und Familienfreundlichkeit, Infrastruktur und Lebensqualität die Menschen bewegt haben. „Allerdings gab es nicht das Aufregerthema und aus seiner Sicht hat auch die AfD keine große Rolle gespielt."

Diese Wahrnehmung teilt der Grüne-Kreisvorsitzende Zobel. Aus seiner Sicht hat sich der Wahlkampf besonders in der Stadt Celle durch die Oberbürgermeisterwahl zugespitzt. „Es hatte schon etwas von Amerikanisierung mit dem Fokus auf den Personen. Die Ratspolitik ging dabei unter“, so Zobel. Themen wie Windkraft waren aus seiner Sicht eher regional zum Beispiel im Südosten des Landkreises wichtig.

Torsten Schoeps (WG) bewertet das Thema AfD ganz anders als SPD und Grüne. „Natürlich war das ein Thema, denn jetzt haben Menschen ein Sprachrohr, die sich vorher offenbar nicht verstanden gefühlt haben“, sagt Schoeps. Das Problem der Partei sei, dass sie 50 Prozent Demokraten und 50 Prozent zugelaufene Rechtsextreme habe. „Langfristig brauche ich sie nicht, aber sie hat Bewegung bei den etablierten Parteien reingebracht“, sagte Schoeps.

Zufrieden mit dem Wahlkampf ist die Linke. „Wir haben gut gearbeitet“, sagte Behiye Uca. Sie hat die Menschen zum Schluss vor allem aufgerufen, Wählen zu gehen“, denn sonst kann man sich hinterher auch nicht über die Politiker beschweren“, so Uca.

Eschede: Die CDU hat in Eschede gewonnen. Nach Auszählung aller Stimmen lag sie mit 38,8 Prozent vor dem neu gegründeten Bündnis Büfe, das auf 27,3 Prozent kam. Die SPD erreichte dort 24,1 Prozent, die Grünen 5,8 und die FDP 4,1 Prozent.

Lohheide: Auch im Gemeindefreien Bezirk Lohheide lag das Ergebnis gestern Abend bereits vor. Die CDU kommt dort auf 67,2 Prozent, die SPD erreicht 32,8 Prozent.

Bergen: In Bergen zeichnete sich nach der Auszählung von 9 von 16 Wahlbezirken ab, dass die CDU die absolute Mehrheit doch verteidigen kann. Die SPD musste hingegen offenbar deutliche Verluste hinnehmen.

Von Tore Harmening