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Celle Stadt AfD in Celle besonders stark
Celle Aus der Stadt Celle Stadt AfD in Celle besonders stark
10:37 17.10.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Sowohl Daniel Biermann, AfD-Landtagskandidat im Wahlkreis Celle, als auch Parteikollege Jens-Christoph Brockmann im Wahlkreis Bergen errangen bei den Erststimmen das drittbeste Ergebnis hinter den Kandidaten von CDU und SPD. Bei den Zweitstimmen wurde die AfD im Wahlkreis Celle mit 8,6 Prozent ebenfalls drittstärkste Kraft, im Wahlkreis Bergen landete sie mit 7,4 Prozent auf Rang vier hinter CDU, SPD und FDP.

"Mit Platz drei bin ich sehr zufrieden", sagt Brockmann. Er erklärt sich den Erfolg seiner Partei im Celler Land so: "Unsere Arbeit auf der Kreisebene zahlt sich aus. Wir haben bewiesen, dass wir Sacharbeit leisten können. Das wird von den Wählern honoriert." Auch Biermann führt den Erfolg der AfD in den beiden Wahlkreisen darauf zurück. "Wir bringen uns konstruktiv und sachorientiert in den politischen Diskurs ein, um auf Lösungen hinzuwirken", sagt der Rechtsanwalt. "Wir möchten Fehlentwicklungen ansprechen, auch wenn sie mit Tabus belegt sind. Das kommt offenbar bei vielen gut an."

Vom Abschneiden der AfD in Niedersachsen ist Brockmann hingegen etwas enttäuscht. "Positiv ist, dass wir in den 14. Landtag einziehen und dass immerhin eine Sechs vor dem Komma steht", sagt der Oldendorfer. "Aber wir hatten mehr erwartet. Das Ergebnis müssen wir kritisch analysieren."

Die Vertreter der etablierten Parteien reagieren unterschiedlich auf den Erfolg der AfD im Celler Land. Der Grünen-Kreisvorsitzende Bernd Zobel blickt weit zurück, wenn er das Phänomen erklären soll, warum die AfD im Landkreis Celle so stark abgeschnitten hat: „Das hat ja schon Tradition, dass rechte Kräfte und rechtsnationale Kräfte hier stark gewählt werden.“ Er könne sich noch an die 1960er Jahre erinnern, in denen die NPD im Landkreis Celle zweistellige Ergebnisse eingefahren hat.

FDP-Direktkandidat Charles Sievers zeigt sich schockiert, dass sein AfD-Konkurrent Brockmann 0,3 Prozent besser abgeschnitten hat als er, also 140 Stimmen mehr erhielt. „Dabei ist der bei Weitem nicht so bekannt.“ Der Lachendorfer denkt, dass die AfD nicht die bessere Politik anbiete, aber von der Protesthaltung vieler Celler profitiert habe.

"Ich bin sehr enttäuscht", sagt Behiye Uca (Linke). Sie gehe davon aus, dass die Popularität der AfD bereits wieder sinke. Der künftige CDU-Landtagsabgeordnete Jörn Schepelmann findet es schade, "dass die AfD hier stärker ist als im Landesschnitt". Und Maximilian Schmidt (SPD) stellte klar: "Das ist ein Warnsignal."

Der wiedergewählte CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch und der unterlegene SPD-Direktkandidat Jörg Rodenwaldt wollen in den kommenden Wochen Ursachenforschung betreiben und das Ergebnis analysieren. "Wir werden die AfD im Landtag in eine inhaltliche Auseinandersetzung bringen und sie genau dort inhaltlich und sachlich stellen", kündigte Adasch an.

Von Amelie Thiemann