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Celle Stadt Afrikanische Familie lebt in zu kleiner Wohnung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Afrikanische Familie lebt in zu kleiner Wohnung
19:12 04.12.2018
Quelle: cz
Celle

Agnana Obango eilt zielsicher durch die Gänge des Günstig-Discounters. In die Einkaufstasche kommt nur das, was auf ihrem Zettel steht, auch wenn sie die eine oder andere Nascherei für ihre Kinder – gerade jetzt in der Adventszeit – gerne noch mitgenommen hätte. Die gebürtige Afrikanerin ist stolz darauf, dass sie und ihr Mann mit ihren vier Kindern, trotz aller finanziellen Knappheit, ohne sozialamtliche Unterstützung zurechtkommen – ebenso stolz wie auf die deutsche Staatsangehörigkeit, die ihr das notwendige Gefühl gibt, in Sicherheit zu sein.

Beschneidung und Zwangsheirat in Heimat üblich

Agnana Obango ist in einem afrikanischen Dorf als Jüngste von sieben Geschwistern aufgewachsen – ein Ort, an dem die Beschneidung von jungen Frauen und die Zwangsverheiratung noch ganz üblich waren. Die heute 30-Jährige musste miterleben, wie dieses Schicksal ihre ältere Lieblingsschwester traf – und wie sie nach Qualen einer komplizierten Geburt starb. Kurz vor der Niederkunft hatte sie der Schwester noch das Versprechen gegeben, im Notfall für das Kind zu sorgen – was sie einige Monate im Familienverband auch getan hat. Der Mann war zu einer anderen Frau gezogen und hatte seine Tochter nicht mitgenommen.

Flucht vor drohender Hochzeit mit älterem Mann

Als ihr Vater die ersten Überlegungen zur Beschneidung und einer Hochzeit mit einem wesentlich älteren Mann für Agnana ansprach, entschloss sie sich zu Flucht. „Ich hatte das gequälte Gesicht meiner Schwester vor mir, sah meine Zukunft darin – ich konnte einfach nicht bleiben“, sagt sie und Tränen rollen ihr über die Wangen. „Dass ich damit auch das Versprechen gebrochen habe, liegt schwer auf meiner Seele, denn ich konnte die Kleine auf diese Reise nicht mitnehmen. Jedes Mal wenn ich eine meiner Töchter anschaue, werde ich an sie erinnert.“ Das Mädchen blieb in der Familie, ihre Großeltern, Tanten und Cousinen kümmern sich um sie – alle wohnen eng zusammen.

Vier Kinder teilen sich zwei Zimmer

Klein ist auch die gemietete Wohnung der Obangos – eigentlich längst zu klein für die sechsköpfige Familie. Der Jüngste ist drei, der Älteste neun Jahre, die beiden Töchter fünf und sieben. Die Kinder teilen sich zwei enge Zimmer (eines davon ursprünglich als Esszimmer gedacht), gegessen wird in der leidlich geräumigen Küche. Agnanas Mann arbeitet im Schichtdienst, sie selbst geht, nachdem sie die Jüngeren im Kindergarten abgegeben hat (die älteren kommen alleine zu ihrer Grundschule), zur Arbeit. Seit auch der Jüngste einen Kindergartenplatz hat, geht sie regelmäßig putzen. Vorher war sie nachts unterwegs, um Zeitungen und Werbematerial auszutragen. Das Paar ist trotz seiner beengten Lebensumstände glücklich. Seit 2008 leben sie in Deutschland, seit einigen Jahren auch mit deutschem Pass. Viel Schreckliches haben sie in ihrem Heimatland, vor allem aber auf der Flucht gesehen und erlebt. Darüber möchten sie im Detail aber nicht sprechen.

Geldnot verhindert fundierte Ausbildung

Ihr kleines Glück steht allerdings auf wackeligen Beinen, denn die Lebenshaltungskosten sind hoch und um ohne gute Sprachkenntnisse in Deutschland Fuß zu fassen, haben sie sofort jeden Job, der sich legal bot und bezahlt wurde, angenommen. Da blieb keine Zeit für eine fundierte Ausbildung, die ein sichereres, höheres Einkommen garantiert hätte. Die Ausstattung in ihrer Wohnung ist aus dem Sperrmüll – auch Second-Hand-Möbel kosten. Weiter in die Jahre gekommen sind die Kinderbetten – inzwischen ausgelegen und wackelig.

Die beiden Einkommen reichen nur für das Nötigste

Der Jüngste schläft noch immer im zu klein gewordenen, geschenkten Babyreisebett. Die Türen des gemeinsamen Kleiderschranks schließen nicht mehr (auch bei ihm droht der Zusammenbruch). Ansparen kann das Paar in der jetzigen Lage nichts – die beiden Einkommen zusammengelegt reichen eben gerade für die Miete, Nebenkosten und Essen. Auf dem Weihnachtsgeschenkeplan stehen günstige Winterstiefel für die Kinder – „für mich tun es dieses Jahr noch die alten, sagt Agnana und schielt auf die ausgelatschten Teile im Flur. Geschlagen will sie sich nicht geben – und lacht schon wieder hoffnungsvoll. Sie habe Pläne, wenn die Kinder mal aus dem Gröbsten raus seien. „Jetzt spreche ich ja schon gut genug Deutsch, um noch etwas zu lernen …“

Von Doris Hennies

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