Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Aktuelle Themen auf Studiobühne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Aktuelle Themen auf Studiobühne
13:39 08.05.2014
Celle Stadt

Wer gedacht hat, dass die für die nächste Saison angekündigte Gründung einer Jugendtheatersparte am Schlosstheater Celle dazu führen würde, dass die Studioproduktionen reduziert oder gestrichen würden, der kann aufatmen. Neu-Intendant Andreas Döring und Geschäftsführer Stephan Bruhn haben es geschafft, dass diese in ähnlichem Maße angeboten werden wie bisher. Die Auswahl der Stücke ist stark auf Themen bezogen, die für den Normalbürger realitätsnah sein dürften.

Die Turmbühne soll in Zukunft in erster Linie dem zukünftigen Jungen Theater zur Verfügung stehen und theaterpädagogisch genutzt werden. Das ermöglicht dem Jungen Theater eine Präsenz im Schloss. Ansonsten soll dieses in der CD-Kaserne angesiedelt werden, was finanziell aber noch nicht letztgültig geregelt ist. „Es ist zwar eigentlich alles klar“, so Intendant Döring, „aber wir haben es noch nicht schriftlich. Drum wollen wir die Details dazu erst später bekanntgeben.“ Bleibt also der Malersaal als Spielort für die Studiostücke und, in unregelmäßiger Folge, auch einmal der eine oder andere sonstige Raum. Diese Produktionen sollen auch außerhalb des Stammhauses gezeigt werden können, wenn sich dazu die Möglichkeit im Landkreis ergibt.

Die erste Studioproduktion hat einen besonderen Spielort, nämlich verschiedene Räume im Celler Schloss. Die Uraufführung „Der letzte Herzog“ von Tom Feichtinger bezieht sich auf die gemeinsame niedersächsisch-britische Geschichte. Danach folgt im Malersaal „Die Kunden werden unruhig“, ein Stück von Johannes Schrettle, in dem es nicht nur um Macht und Geld geht, sondern auch um das grundsätzliche Verhältnis von Theater und Wirklichkeit. Mit dem Stück „Die Frau, die gegen Türen rannte“ von Roddy Doyle hat Döring für den November ein Solo für die neue Schauspielerin Tanja Kübler angekündigt, das diese erfolgreich in Nürnberg gespielt hat. Es geht um das Schicksal einer gebeutelten Frau, die nie den Mut verliert, ihrem scheinbar so unglücklich verlaufenen Leben noch eine positive Wendung geben zu wollen. Mit „Glaube, Liebe, nasser Schnee“, das sich im Titel auf Horvaths berühmtes, ähnlich benanntes Stück bezieht und dieses mit einem Text von Dostojewski verbindet, steht eine weitere Uraufführung auf dem Programm.

Überhaupt: Intendant Döring ist zwar niemand, der ständig betont, wie viel neue Stücke er ausgewählt hat, aber auffällig ist es schon, dass seine Werkauswahl vorwiegend neue Autoren und aktuelle Thematiken berücksichtigt. Dörings Ansatz als Theatermacher ist weniger ein ästhetischer oder literarischer sondern einer, der das Theater zu einem Ort der Kommunikation über die Situation unserer Gesellschaft machen will. Dazu braucht man dann zwangsläufig mehr neue Stücke.

Bezogen auf das Gesamtprogramm von Hauptbühne, Studio und Junges Theater sind sechs Uraufführungen projektiert. Die weiteren Uraufführungen im Studio werden eine Theaterfassung des berühmten Romans „Im Westen nichts Neues“ sein und ein Projekt zur Steuerungerechtigkeit in Europa. Da wird es um die Frage gehen, wie es sein kann, dass die einen, eine Minderheit, ihren Reichtum ins Ausland in Sicherheit bringen können, während die anderen den Staat finanzieren, von dem alle profitieren. Weitere Studiostücke mit aktueller, zeitkritischer Thematik: „Die Opferung von Gorge Mastromas“ von Dennis Kelly und „Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“ von Mike Daisy. Beide Stücke stellen kapitalismuskritische Fragen, ohne gleich klar Antworten zu geben.

Von Reinald Hanke