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Celle Stadt Alfred Hitchcocks „Psycho“ als Zwei-Mann-Abend in der Celler Congress Union
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Alfred Hitchcocks „Psycho“ als Zwei-Mann-Abend in der Celler Congress Union
15:58 13.01.2017
Celle Stadt

Der Schauspieler Matthias Brandt und sein musikalischer Kollege am Klavier, Jens Thomas, verfügen darüber. Und sie lassen sich erst gar nicht darauf ein, den Krimi konkret auf einer Bühne darstellen zu wollen. Die beiden machen alles über ihre ureigenen Fähigkeiten als Schauspieler und Musiker, nämlich mit Stimme und Tönen.

Matthias Brandt sitzt einfach auf einem Stuhl und agiert fast nur mit seiner Stimme. Brandt reizt hier seine in den meisten Fernsehfilmen nur ansatzweise erkennbaren Fähigkeiten bis ins letzte aus. Seine Stimme wird zu einem Instrument der Gefühle. Brandt stimmliche Suggestionskraft lässt die verschiedenen Figuren vor dem inneren Auge des Zuschauers entstehen. Er nutzt alle nur vorstellbaren Mittel vom Knarzen, Flüstern bis zu allen Formen von lauten Ausbrüchen, Schreien bis hin zum Umkippen der Stimme in irrationales Lautwerk. Aber er findet immer auch zurück zu einem fast sachlichen Ton, der dann wieder die einzelnen Ausdrucksnuancen umso stärker wirken lässt: Stimmlich virtuoser geht es nicht.

Alleine schon das in Celle erleben zu können, war den Besuch der von Jürgen Wippichs und seinen „kultur querbeet“-Leuten organisierten Aufführung wert. Es gab aber noch eine zweite Dimension dieses künstlerischen Ereignisses. Und diese bestand in der kongenialen Ergänzung des darstellerischen Spiels von Matthias Brandt durch das, was Jens Thomas am Flügel bot. Der begnadete Jazzer Thomas kostete die Möglichkeiten des verstärkten Instruments in eine Weise aus, die weit über das hinausging, was man normalerweise als illustrierende Filmmusik bezeichnen würde, stellte aber letztlich sehr wohl genau eine solche dar. Allerdings eine, die als eine Mischung aus vorgefertigten Bausteinen und freier Improvisation daherkam und es ihm so ermöglichte, punktgenau auf das einzugehen was sein Kollege jeden Abend leicht modifiziert vorgibt. Dadurch behält diese Klangkunst eine Lebendigkeit, die wohl jeden in Bann gezogen hat. Thomas bekommt es auf diese Weise hin, dass die anwesenden 600 Besucher extremste Klänge goutieren, die diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einem normalen Konzert kaum würden hören wollen.

Vor gut sieben Jahren hat Thomas schon einmal eine solche Meisterleistung vollbracht als er durch sein Klavierspiel eine schlechte „Othello“-Aufführung zumindest erträglich machte. In gewisser Weise ist diese Psycho-Musik eine Fortsetzung seines damaligen Tuns in einem optimierten Umfeld, denn bei dieser Aufführung stimmt auf der Bühne alles. Da wünscht man sich nur, dass diese beiden begnadeten Künstler sich demnächst auch mal einen großen Theatertext vornehmen statt eines Krimis. Und dann auch wieder in Celle auftreten.

Von Reinald Hanke