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Celle Stadt Alleinerziehende Mutter kümmert sich liebevoll um autistischen Sohn – trotz vieler Hindernisse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Alleinerziehende Mutter kümmert sich liebevoll um autistischen Sohn – trotz vieler Hindernisse
15:26 08.12.2017
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Martina Helmstedt (alle Namen von der Redaktion geändert) lebt seit acht Jahren wieder in Celle. Hier hat sie ihre Kindheit und Jugend als Adoptivkind verbracht. Wegen ihres Jobs und der Liebe zog sie dann nach Hannover. An ihrer unerwarteten Schwangerschaft zerbrach die Beziehung jedoch.

Ihr neunjähriger Sohn Benjamin kam mit einer leichten Form von Autismus auf die Welt und braucht Förderung und Therapie, so dass die 40-Jährige noch immer keiner regelmäßigen Arbeit nachgehen kann und auf soziale Unterstützung angewiesen ist.

Martina Helmstedt war mit ihrem damals noch kein Jahr alten Sohn in ihre Heimatstadt zurückgezogen, um einen Schlussstrich unter die Trennung von ihrem langjährigen Lebenspartner zu machen. „Wir waren ein gutes Paar, solange wir beide nur uns und unsere Arbeit hatten“, sagt sie.

Schon während der Schwangerschaft bekam die Beziehung Risse. „Wir begannen uns immer öfter zu streiten.“ Während sie sich am Ende ihrer Schwangerschaft nur noch mit letzter Kraft durch den Arbeitstag als Verkäuferin schleppte, kam ihr Lebensgefährte immer öfter erst spät oder gar nicht nach Hause. „Er wollte seinen Lebensstil nicht ändern, oft war er angetrunken und wurde dann gemein und aggressiv“, sagt sie. „Nach Benjamins Geburt schien er sich über seinen Sohn zu freuen und ich schöpfte Hoffnung. Es hielt nicht lang an und dann musste ich entdeckten, dass da eine neue Frau im Spiel war.“

Die damals 31-Jährige suchte sich eine kleine Wohnung in Celle, von wo aus sie ihre inzwischen demente Adoptivmutter leichter im Pflegeheim besuchen konnte. Das bisschen Gesparte und die letzten Gehaltszahlungen reichten gerade so für den Umzug. Der Gang zum Amt, um Hilfe zu beantragen, war bitter. Früh schon zeigten sich bei ihrem Sohn Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Seitdem ist Benjamin in Behandlung: Ergotherapie für die Schulung der Feinmotorik, Logopädie für die Aussprache, weitere Therapien, um ihm die Eingliederung in die Gemeinschaft und vor allem in die normale Schule zu erleichtern – und ein nur zum Teil finanziell übernommenes Sportprogramm.

Die Psychologin rät Martina Helmstedt dringend davon ab, ihn in die schulische Ganztagsbetreuung zu geben. „Ben kann die vielen alltäglichen Reize, die auf ihn zukommen, nicht adäquat verarbeiten und braucht deshalb immer wieder ruhige, gleichablaufende Phasen, um den gesamten Alltag bewältigen zu können.“ Den Wiedereintritt in das Berufsleben muss seine Mutter deshalb immer wieder verschieben. Versuchsweise hat sie jetzt mit ein paar Stunden vormittags zur Aushilfe begonnen – „so kann ich reagieren, wenn Ben doch mal eher nach Hause muss oder Unterricht ausfällt“.

Auch ein weiteres Handicap hält sie vom längeren Arbeiten ab: Ein komplizierter Beinbruch vor zwei Jahren ist noch immer nicht sehr gut verheilt – trotz Operation und Nachbehandlung. „Ich habe Schwierigkeiten, wenn ich zu lange stehen muss. Als Verkäuferin ist das nicht die beste Voraussetzung“, erklärt sie sarkastisch. Dann holt sie tief Luft: „Aufgeben ist keine Option. Ben braucht mich und ich bin froh, dass ich ihn habe.“ Ihre eigenen Wünsche, ein Bett und eine Schlafcouch für Gäste, stellt sie gerne zurück. „Das Wichtigste ist jetzt erst mal Bens neuer Ranzen und etwas Süßes unterm Weihnachtsbaum.“

SPENDEN

Schwerpunkt der CZ-Weihnachtsaktion ist wieder die große Tombola, die am Samstag, 9. Dezember, um 10 Uhr in der Celler Innenstadt startet. Hier warten insgesamt 9339 Preise von der Bratwurst über viele Sachpreise bis zu Wochenendreisen sowie einem Seat Mii Chic 1.0 als Hauptpreis auf die glücklichen Gewinner. Helfen können Sie aber auch mit Ihrer Geldspende. Das Konto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“ läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN DE38 257 0001 0000 0099 10 bei der Sparkasse Celle. Spendenbescheinigungen werden ab einer Summe von 200 Euro ausgestellt, sofern ein Hinweis auf dem Überweisungsträger enthalten ist. Bis 200 Euro reicht dem Finanzamt Celle der Bankbeleg.

Von Doris Hennies