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Celle Stadt Alltag im Puppenhaus im Celler Bomann-Museum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Alltag im Puppenhaus im Celler Bomann-Museum
16:54 31.03.2017
Das Puppenhaus von Berta Schweiger steht heute im Bomann Museum Celle. Quelle: Michael Schäfer (2)
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Erst im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert begann man dem kindlichen Spieltrieb Rechnung zu tragen, indem man den Kindern Raum zum Spielen gewährte. Das Spielzeug wurde dabei als eines der wichtigsten Erziehungsmittel entdeckt. Das Spiel sollte zur Bewältigung von Lebenssituationen dienen, zum Nachahmen und Einüben von Alltäglichem. Die Beschäftigung mit dem Spielzeug führte das Kind in den ihm zugedachten Pflichtenkreis ein.

Spielerisch lernten Töchter ihre zukünftigen Aufgaben als Hausfrau und Mutter. Puppen, Spielküche, Nähmaschine und Bügeleisen gehörten neben Kaufmannsladen und Puppenhaus zu ihren typischen Spielzeugen. Die Söhne hingegen wurden zwischen Bauernhof und Ritterburg, Eisenbahn und Baufahrzeugen auf ihre Rolle als zukünftige Ernährer und Beschützer der Familie vorbereitet. In dieser Zeit nahm die Herstellung von Spielzeug ihren großen Aufschwung. Überall wurde es auf den Märkten angeboten. Sogar Goethe beschreibt diese Szenerie: „Es war ein Topfmarkt gewesen, und man hat nicht nur die Küche mit Waren versorgt, sondern auch uns Kindern das gleiche Geschirr zur spielenden Beschäftigung eingekauft.“ Tatsächlich begann mit solchen Miniatur-Lebenswelten das Spiel.

Zahlreiche bis ins Detail eingerichtete prachtvolle alte Puppenhäuser jener Zeit sind heute in Museen zu sehen, zur Faszination der Kinder, aber auch zur Freude der Erwachsenen, die sich vielleicht als Kind ein solches Haus oder eine bespielbare Küche gewünscht, aber nie bekommen haben. Ein besonders repräsentatives nostalgisches Puppenhaus ist als Bestandteil der Dauerausstellung im Bomann-Museum zu sehen. Das Puppenhaus von Berta Schweiger (1874 bis 1956), der Urenkelin des Gründers der Druckerei der Celleschen Zeitung. 1878 erhielt die damals Vierjährige von ihren Eltern das Puppenhaus mit ersten Einrichtungsgegenständen geschenkt. Stück für Stück füllte sich das zirka 150 (H) x 170 (B) x 50 (T) Zentimeter große dreigeschossige Puppenhaus, das neben einem geräumigen Treppenhaus sieben Zimmer aufweist: Im Untergeschoss Badezimmer und Mägdekammer sowie Vorrats- und Besenkammer, Schlafzimmer und Toilettenraum. In der mittleren Etage Küche und Kinderspielzimmer. Und im Obergeschoss Wohn- und Speisezimmer. Dazu liebevoll gestaltete „Bewohner“, Möbel und filigran gefertigten Interieurs wie Kronleuchter, Kaminuhr, Gewürzbord und Vogelkäfig.

Puppenhäuser und die immer zahlreicher werdenden Puppenstuben und -küchen verfolgten wie auch Puppen und Puppenwagen zunehmend den Zweck, schon die kleinen Mädchen spielend in die weiblichen Pflichten und Tätigkeiten einzuführen, schildert Hilke Langhammer vom Bomann-Museum. Wie sie weiter ausführt, hatte Berta Schweiger ihre Rolle offenbar gut gelernt: Von 1920 bis 1935 war sie Schriftführerin der Ortsgruppe Celle des Hausfrauenvereins und bot unter anderem in einer Vorführküche Kochkurse für junge Mädchen und Hausfrauen an. Ihr prachtvolles Puppenhaus mit den wunderschönen Details hatte sie erst wenige Jahre vor ihrem Tod dem Museum übergeben.

Von Rolf-Dieter Diehl