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Celle Stadt Als Dänemark geboren wurde
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Als Dänemark geboren wurde
12:58 16.05.2014
Von Michael Ende
Møns Steilküste ist spektakulär, der Abstieg zum Meer hat es in sich. Im Geocenter Møns Klint werden Dinosaurier zum Leben erweckt und Wissenschaft spielerisch vermittelt. Quelle: Michael Ende
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MØNS KLINT. Wenn Russlands Machthaber Wladimir Putin Møn verschlucken würde, dann würden vielleicht noch andere als Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder glauben, dass Putin ein „lupenreiner Demokrat“ sei. Denn die dänische Ostsee-Insel Møn besteht zu fast 100 Prozent aus Kreide. Das Eiland gilt als „kleinere Schwester“ der deutschen Insel Rügen. Mit einer Größe von rund 218 Quadratkilometern gilt die Insel allerdings als unverschluckbar. Ihre 128 Meter hohen Kreidefelsen an der Ostküste sind spektakulär und eine Reise wert – zumal sich Møn bestens für einen Wochenend-Trip eignet.

Der führt dann nicht nur ins benachbarte Skandinavien, sondern in eine andere Zeit, wie Nils Natorp, Direktor des Geocenters Møns Klint erläutert. Im direkt auf den Klippen gebautem Geocenter, einer der modernsten Einrichtungen ihrer Art in Europa, werden Dinosaurier zum Leben erweckt, wird Wissenschaft spielerisch vermittelt, tauchen Gäste ein in eine Zeit, als Dänemark geboren wurde. „Und das ist schon ein bisschen lange her“, sagt Nils: „Vor 70 Millionen Jahren war das Meer, wo heute Dänemark ist. Das Meer war warm, und viele verschiedene Tiere und mikroskopische Algen lebten hier. Sie hatten Schalen aus Kalk, die sich viele Jahre hindurch als eine dichte Kreideschicht am Meeresboden ablagerten.“ Später wurden diese Schichten angehoben und „wie in einer riesigen Massenkarambolage“ zusammengeschoben. So entstand die Kreideformation der Steilküste. In Sachen Verschluckbarkeit hat Nils eine Korrektur parat. Møn wird nämlich gerade verschluckt. Und zwar vom Meer: „Durchschnittlich verschwinden jährlich 20 bis 40 Zentimeter der Steilküste, sodass in 10.000 Jahren Høje Møn vom Meer völlig verschlungen sein wird.“

Da sollte man schnell noch mal zu Strand hinunter. Schließlich hat man dort beste Aussichten diverse Fossilien vom „Donnerkeil“ bis zum Seeigel zu finden. Der Abstieg hat es allerdings in sich: Er führt über rund 500 Holzstufen hinab. Runter ist das noch einfach. Wem allerdings ein Strandspaziergang in den Beinen steckt und wer den Rucksack voller Versteinerungen hat, der wird den Aufstieg niemals vergessen. Das schlaucht. Dafür sollte man sich Zeit nehmen. Und etwas zu Trinken nicht vergessen.

Überhaupt nicht anstrengend und sehr bequem ist hingegen der Katzensprung über die Ostsee. Sei es von Rostock nach Gedser oder von Puttgarden nach Rødby. Auf letzterer Strecke ist man mit Scandlines binnen 45 Minuten in Dänemark, ab Rostock hat man zwei Stunden Zeit, um sich die modernen Schiffe anzuschauen und die Überfahrt zu genießen. Wenn man dann den Dannebrog wehen sieht, hat man es geschafft. Und wen ein kleines Glücksgefühl anweht, der muss nicht überrascht sein: Schließlich leben laut „World Happiness Report“ der UN in Dänemark die glücklichsten Menschen der Welt. Das färbt ab. Wie Kreidefelsen.