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Celle Stadt Altbischof Huber in Celle: Gewaltlosigkeit zielt auf Veränderung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Altbischof Huber in Celle: Gewaltlosigkeit zielt auf Veränderung
22:31 09.04.2013
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„Religion bleibt riskant – auch dort, wo sie sich zur Gewaltlosigkeit bekennt.“ Das war eine der Grundthesen im Vortrag des früheren Bischofs und EKD-Vorsitzenden Professor Wolfgang Huber am Montagabend in der Celler Congress Union. Auf Einladung der Rotary Clubs Celle und Celle-Schloss sprach er vor mehr als 500 Zuhörern zum Thema „Religion – Instrument des Gewalt oder des Friedens? Über die politische Rolle der Religion“.

In einem kurzen historischen Rückblick erinnerte Huber daran, dass „der aufrechte Gang von Bürgerrechtsgruppen in Polen und der DDR“ 1989 dazu beigetragen habe, die Teilung Europas zu überwinden. Diese Gruppen seien mit ihrer Parole „Keine Gewalt“ in den christlichen Kirchen verankert gewesen. Doch trotz der „erfolgreichen gewaltfreien Revolution in Deutschland“ und in anderen Ländern habe die Hoffnung auf einen „verlässlichen und dauerhaften Frieden in Europa“ getrogen. Die Kriege im zerfallenden Jugoslawien in den frühen 90er-Jahren hätten sehr schnell zur Diskussion über die „Schutzverantwortung der Staaten“ und über „humanitäre Einsätze“ der Nato-Truppen geführt.

Eine völlig neue Debatte gab es dann aufgrund der Anschläge vom 11. September 2001. „Der internationale Terrorismus wurde als die dominierende Gefährdung des Friedens angesehen. Damit wurde auch die politische Rolle der Religion neu bewertet“, erläuterte Huber in seinem gut einstündigen fundierten Vortrag. Die Anschläge seien bei Islamisten und bei ihren Gegnern als „Fanal“ dafür verstanden worden, „dass Religion und Gewalt eng zusammenhängen“. Doch eine Nähe zur Gewalt oder gar die Auffassung von Gewalt als „Gottesdienst“ bedeutet Huber zufolge nichts anderes als eine „untergründige Selbstgefährdung der Religion“. Auch die Gleichsetzung von Politik und Religion – wie im Iran – hält er für „schädlich“. Und militärische Gewalt allein könne keinen Frieden, aber vielleicht den Raum schaffen, um Frieden zu entwickeln.

Für Huber gehört es gerade nicht zum Wesen der drei monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam –, Konflikte zu verschärfen und Gewalt zu fördern. Er erinnerte an die biblische Losung „Schwerter zu Pflugscharen“. Und in der Bergpredigt habe Jesus Christus eine „radikale Vorstellung von Gewaltlosigkeit“ gepredigt: Der Verzicht auf Vergeltung könne auch den Feind verändern. Gewaltlosigkeit sei also keineswegs „Passivität“, sondern auf „Veränderung zielendes Handeln“, meinte Huber. Doch weder bei der Anwendung von Gewalt noch beim Verzicht auf sie gebe es eine Erfolgsgarantie. Auf jeden Fall sei es aber falsch, Menschen nur über ihre Religionszugehörigkeit zu definieren und Moslems oder Christen pauschal mit Fundamentalisten gleichzusetzen.

Michael Regehly

Von Michael Regehly