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Celle Stadt Alter schützt vor Klamauk nicht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Alter schützt vor Klamauk nicht
19:03 16.10.2016
Von Jürgen Poestges
Zwei alte Recken auf der Bühne der CD-Kaserne: Ingo Insterburg (links) und Lothar Lechleiter alias Der Black. Quelle: Jürgen Poestges
Celle Stadt

Denn es waren zwei alte Recken, die dort auf der Bühne standen. Ingo Insterburg, Jahrgang 1934 und somit inzwischen 82 Jahre alt, war einst Begründer der Blödel-Truppe Insterburg & Co. Heute ist er auf Tournee mit Lothar Lechleiter alias Der Black, der in den 60er und 70er Jahren mit seinem inzwischen verstorbenen Partner Schobert ein Liedermacher-Duo bildete. Und Black ist inzwischen 74 Jahre alt.

Wie aber das bekannte Sprichwort sagt: Alter schützt vor Torheit nicht. Und so unterhielten die beiden ihre Fans in der recht gut gefüllten Halle fast wie in alten Zeiten. Hier Insterburg, der mit Blödeleien und selbst gebauten Instrumenten für Klamauk sorgte. Und da Black, der nach wie vor seine Qualitäten besitzt. Und der auch auf seine Zeiten mit Schobert zurückschaute. Mit gemeinsamen Liedern, unter anderem auch von Texter Fritz Graßhoff, der von 1946 bis 1967 in Celle lebte. „Diese hab ich für heute Abend ganz bewusst augesucht“, sagte der Sänger. „Schobert und ich haben ihn einige Male hier in Celle besucht. Wir haben auch ein Album nur mit seinen Liedern gemacht.“

Ansonsten streifte er durch das Weltgeschehen. Von den „Idioten von der AfD“ bis hin zu Billig-Flugreisen oder Touren zu den Katastrophenorten dieser Welt mit „Fortuna, Fummel & Sohn“. Und – natürlich – fehlten auch die Limericks nicht, die das Duo seinerzeit zu Berühmtheit gebracht hatte. Dazwischen trug er aber durchaus auch nachdenkliche Lieder vor – ein gelungener Auftritt.

Den Gegenpol bildete Ingo Insterburg. Ein Cello aus einer alten Öldose mit einem anmontierten Griffhals, eine Geige und eine Gitarre aus jeweils einer Kokosnuss-Hälfte oder ein Saxofon aus dem Abflussschlauch einer Waschmaschine und einem Trichter am Ende oder die „Singende Säge“ – das waren die merkwürdigen Vorrichtungen, die er den Fans, die mit ihm gemeinsam in Würde gealtert sind, vorführte.

Skurril auch die zweite Brille, die er über seine normale schob, wenn er Geschichten vorlas. „Die eine habe ich auf, damit ich Sie sehen kann, die zweite brauch ich zum Lesen. Und wenn ich was besonders Kniffliges machen muss, zieh ich manchmal noch ein dritte Brille auf“, erklärte Insterburg. Drei Ketten hatte er umhängen, „weil ich nicht verheiratet bin und man ja irgendwas am Hals haben muss“.

Das alles in gewohnt liebevoll-schräger Manier, mit durchaus auch falschen Tönen, vielen Schmähtexten über seine offensichtlichen Lieblingsfeinde, die Raucher. Und natürlich fehlte auch der „Kracher“ aus den Insterburg-&-Co.-Zeiten nicht: „Ich liebte ein Mädchen ...“. Da gab‘s auch eine Zeile mit Lokalkolorit: „Ich liebte ein Mädchen in Celle, da ging es immer ganz schnelle.“ Die Fans waren zufrieden.