Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Altersarmut: Immer mehr Senioren müssen arbeiten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Altersarmut: Immer mehr Senioren müssen arbeiten
15:50 30.12.2011
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

„Und das nach einem vollen Berufsleben“, klagt Sabine Kellner, Leiterin des Celler Sozialberatungszentrums des SoVD. Fälle wie der von K. gehören zur täglichen Beratungspraxis des Sozialverbandes. Kellner kennt viele Schicksale älterer Menschen, bei denen die Rente allein nicht ausreicht, um die Lebenshaltungskosten zu bestreiten. „Die Altersarmut in Celle nimmt zu“, so Kellner.

Indizien dafür hat auch die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt. Aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hat Carsten Bodenbinder, Bezirksvorsitzender der IG BAU für Nord-Ost-Niedersachsen, einen deutlichen Anstieg der Senioren heraus gelesen, die sich im Rentenalter mit einem zusätzlichen Mini-Job über Wasser halten. Waren Ende 2003 1180 Menschen über 65 Jahre im Landkreis Celle geringfügig beschäftigt, so hat sich diese Zahl bis Ende März dieses Jahres auf 1508 erhöht. „Das bedeutet einen Anstieg um 28 Prozent“, rechnete Bodenbinder vor.

Nach Ansicht des Gewerkschaftsvorsitzenden für die Region würden die wenigsten davon jobben, „weil ihnen das eine willkommene Abwechslung im Rentenalltag bringt. Die allermeisten müssen allerdings arbeiten, weil sie von ihrer Rente alleine sonst nicht leben können. Glück hat, wer beides verbinden kann“, sagte Bodenbinder.

Und wer richtig Pech hat, kann im Alter noch nicht einmal etwas dazu verdienen, sondern muss mit der kargen Rente und der Grundsicherung auskommen, wenn sich die Betroffenen denn dazu überwinden, diese zu beantragen. „Es gibt viele Menschen, die aufgrund einer Erkrankung noch nicht einmal einen Mini-Job machen können“, weist Kellner auf diejenigen hin, die das Schicksal besonders hart getroffen hat.

Der Gewerkschafter hat einen Trend ausgemacht: „Immer weniger Menschen schaffen es, sich nach einem langen Berufsleben tatsächlich zur Ruhe setzen zu können. Statt wohl verdientem Rentenabend droht immer mehr Senioren der Fall in die Altersarmut.“ Bodenbinder fordert daher eine „armutsfeste, gesetzliche Rentenversicherung“.

Das Risiko der Altersarmut sei besonders groß bei Geringverdienern. „Wir müssen den Dumpinglöhnen, der Leiharbeit und dem Wildwuchs bei befristeten Jobs den Garaus machen“, fordert Bodenbinder.