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Celle Stadt Altstadt-Sanierung: Lebenstraum am Südwall erfüllt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Altstadt-Sanierung: Lebenstraum am Südwall erfüllt
11:45 30.12.2016
Von Gunther Meinrenken
Vera und Andreas Mannewitz stehen im Garten vor ihrem sanierten Haus am Südwall. Die Immobilie, die die Eheleute bereits 2010 gekauft hatten, war eigentlich abbruchreif. Mit viel Liebe und unzähligen Arbeitsstunden haben sie das Anwesen wieder hergerichtet. Quelle: Oliver Knoblich
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Die Treppe war allerdings nur eine von vielen Baustellen in dem Haus am Südwall, das Mannewitz und seine Frau Vera 2010 gekauft haben. Das Ehepaar plante für den Ruhestand vor. „Wir wollten nach Celle, in die Stadt, hier leben unsere Freunde“, sagt Vera Mannewitz. Die Immobilie, die sich die beiden gekauft haben, stand zum Zeitpunkt des Kaufs schon vier Jahre lang leer. Eigentlich war das Haus abbruchreif und bestimmt wäre es auch viel billiger gewesen, es abzureißen und originalgetreu neu zu bauen“, so Mannewitz.

Doch das Gebäude steht unter Denkmalschutz, auch wenn es kein Fachwerkhaus ist, sondern erst 1895 erbaut wurde. Schon der Notar habe ihn gefragt, ob er wisse was er sich antue? „Der Südwall ist eine Villenstraße, alle Häuser sind etwa um die gleiche Zeit gebaut worden“, erläutert Mannewitz.

Vier Jahre lang, von 2011 bis 2015, sanierte Mannewitz, der aus einer Familie von Restauratoren stammt, mit großem Aufwand das 200 Quadratmeter-Haus, von dessen Rückseite aus man in den Französischen Garten und direkt hinüber zum Bieneninstitut schauen kann. Erheblich Summen waren erforderlich um die erforderliche Kernsanierung umzusetzen. Dabei sei das Förderprogramm zur Sanierung der Altstadt sehr hilfreich gewesen, weil nicht nur das Haus selbst, sondern auch die Außenanlagen gefördert wurden. Als einer der ersten Antragsteller fühlte sich Mannewitz durch die zuständige Stelle der Stadt gut unterstützt. Unter Reduktion der Abschreibungssumme gab es nicht zuletzt sogar 70.000 Euro Fördermittel.

Beim ersten Besichtigungstermin, bei dem die Immobilie noch fast komplett mit Efeu zugewachsen war, war Mannewitz nicht nur von der Treppe begeistert. „Mich hat die Helligkeit angesprochen und das gute Raumklima, das sofort spürbar gewesen ist. Außerdem war die Lage am Rande der Innenstadt sehr gut“, schwärmt Mannewitz von seinem Haus, in dessen Renovierung er selbst an die 2500 Arbeitsstunden gesteckt hat.

Neben der Treppe hat sich der findige Hobbyhandwerker unter anderem besonders um die Fenster gekümmert. „Alle haben zur besseren Isolierung spezielle Thermopenscheiben, Dichtungen und ein Holzfutter bekommen. Beim Kauf des Hauses waren noch in allen Fenstern die alten mundgeblasenen Gläser. Die Stadt meinte, ich müsse Schallschutzfenster einbauen, wenn ich die Fenster ersetzen wolle“, so Mannewitz, der allerdings wenig begeistert war, 65 Millimeter dicke, klobige Fenster einzubauen. Also machte er sich ans Werk. Alle defekten Teile der Fenster wurden ausgebaut und neu angefertigt. Da jede Scheibe ein individuelles Maß hatte, fertigte er für jede eine entsprechende Schablone an. Beim Besuch einer Messe für Restauratoren fand Mannewitz eine Firma aus Süddeutschland, die ihm die Scheiben anfertigte. Gerade einmal zwölf Millimeter dick sind die mundgeblasenen Thermopen-Scheiben, die nur eine vier Millimeter dicke isolierende Gasschicht aufweisen.

Das größte Problem: die Statik. Weil das Fundament nicht richtig ausgelegt war, hatte sich das Haus im Laufe der Jahre an der Südseite zum Stadtgraben gesenkt. Die Fassade und sämtliche Türen, die Fenster und auch der Fußboden hatten sich verzogen. Die Folge waren große Risse im Mauerwerk. „Wir haben dann 30 Tonnen Beton bis in 5 Meter Tiefe unter das Haus gepumpt. Damit haben wir dem Haus wieder Stabilität verliehen“, erzählt Mannewitz, der auch im Keller selbst Hand anlegte.

Um die bis zu 5 Zentimeter großen Risse der Kellerdecke zu füllen, ohne den erhaltenswerten Fußboden darüber aufzunehmen, besorgte sich Mannewitz einen speziellen Fließmörtel. Mit einer Pumpe Marke Eigenbau spritzte er das Gemisch hinein, ohne zu sehen, wohin genau es floss. Er hatte einfach zuvor das benötigte Volumen berechnet und entsprechend viele Pumpenladungen hineingegossen. Mit einem endoskopischen Gerät überprüfte er, ob es geklappt hatte. Medizin und Handwerk, eine gelungene Kombination.

Pläne gab es nur noch vom Keller und dem Zaun. „Eine Architektin musste alles vermessen“, erklären die Bauherren, die in Keller und Erdgeschoss am Grundriss nichts verändert haben. Die Räume wurden lediglich umgenutzt. Aus einem ehemaligen Damen-Salon wurde die Küche, aus einem davorliegenden Duschbad der Hauswirtschaftsraum, die Garderobe zum Gästebad.

Im Obergeschoss haben die neuen Besitzer die Räume allerdings mehr auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Durch Entfernen von Trennwänden schufen die Eheleute Mannewitz‘ größere Zimmer, die nun ihren Kindern als Gästezimmer zur Verfügung stehen, wenn sie zu Besuch kommen. Zuvor mussten sie allerdings 80 Prozent des Dachstuhls austauschen, er war marode. Und letztlich hat Mannewitz sich auch bei den Denkmalschützern mit einem Herzenswunsch durchgesetzt. „Ich wollte einen Balkon, sonst hätte ich das Haus nicht gekauft.“ Er hat ihn bekommen.