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Celle Stadt Am Theater wird viel mehr geübt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Am Theater wird viel mehr geübt
17:39 03.04.2013
Spielt den Eduard in Goethes „Wahlverwandschaften“: - Torsten Nindel. Quelle: Alan Ovaska
Celle Stadt

Herr Nindel, wie sind Sie zu Ihrem Beruf als Schauspieler gekommen?

Das war ganz unspektakulär. Ich bin mit 18 Jahren in Kontakt mit Schauspielern gekommen. Die haben mich irgendwie begeistert. Ich mochte die Art, wie sie miteinander umgingen. Sie rieten mir, auf eine Schauspielschule zu gehen. Schauspieler zu werden, war also nicht von vornherein mein Jugendtraum. Als Kind wollte ich lieber Cowboy werden.

Sie spielen zur Zeit den Eduard in Goethes „Wahlverwandtschaften“ am Schlosstheater. Was reizt Sie an dieser Rolle?

Eigentlich reizt mich immer die nächste Rolle. Der Eduard war die nächste Rolle. Als ich zuletzt 1997 fest an einem Theater engagiert war, habe ich jugendliche Liebhaber und Helden gespielt. Jetzt bin ich 15 Jahre älter und es reizt mich, die Rolle eines erwachsenen Mannes zu spielen, obwohl er nichts mit mir persönlich zu tun hat.

Wie gehen Sie eine solche Rolle an? Wie lernen Sie?

Man muss natürlich den Text vor den ersten Proben „drauf“ haben, besonders wenn man als Gast an ein Theater kommt. Das war für diese Aufgabe hier in Celle schon richtig ordentliche Arbeit. Dabei ist es nicht das stupide Auswendiglernen; man muss die Figur gewissermaßen begleiten und sich in ihr Wesen hineinarbeiten. Dann öffnet sie sich plötzlich ganz von selbst.

Sie haben sehr viele verschiedene Rollen im Fernsehen gespielt. Trotzdem reduziert man Sie immer nur auf die Lindenstraßen-Serie. Wie kann man sich das erklären?

Von 1988 bis Ende 1989 war ich regelmäßig zweimal in der Woche als Zorro auf dem Bildschirm. Danach bin ich ans Theater gegangen und habe die Lindenstraße nur noch in den Theaterferien gedreht. In der Zwischenzeit wurde die Geschichte des Zorro aber weitererzählt, obwohl er gar nicht da war. Dadurch wurde die Figur nicht vergessen. Dazu muss man erwähnen, dass wir damals eine Quote von 19 Millionen Zuschauern hatten. Bei vergleichbaren Familienformaten heutzutage hat man vielleicht etwas über eine Million.

Arbeiten Sie lieber beim Film oder als Theaterschauspieler?

Es gibt da keine wirkliche Trennung. Sicher hat das Theater ganz andere Mittel, die viel mehr trainiert sein müssen als diejenigen, die man beim Fernsehen braucht. Bei beiden geht es um Empathie und Emphase und um den Umgang mit Sprache. Letztlich also darum, einen technischen Apparat zu bedienen. Natürlich wird am Theater viel mehr geübt. Beim Film und Fernsehen hat man dazu gar keine Zeit.

In der Serie „Das Amt“ haben Sie als Rüdiger Poppels das Publikum zum Lachen gebracht. Haben Sie eine komische Seite?

Eigentlich habe ich den gar nicht komisch gespielt. Da war Jochen Busse, der mir erklärt hat, wie man doof guckt. Der Trick ist ganz einfach der, dass man guckt und denkt, man spüre kalte Luft hinter der Stirn. Das ist alles. Ich kann ganz gut Witze über Schauspieler reißen und ich nehme mich selbst auch nicht allzu ernst. Im privaten Kreis bin ich durchaus ein Comedian. Da hat man mir schon mal geraten, diese Seite auszubauen.

In Bad Segeberg waren Sie auch der Old Shatterhand. Stellt das besondere Anforderungen?

Da musste ich zuerst mal reiten lernen, obwohl ich kein Pferde-Fan bin. Ich riskiere auf so einem Tier nur ungern mein Leben. Dabei geht es vor allem darum, besonders in Kindern die Lust zu wecken, einer solchen Geschichte zu folgen. Das ist als Old Shatterhand bei weitem nicht so schwer wie in Trier als Avidius Cassius in „Brot und Spiele“.

Wie fühlen Sie sich in Celle?

Wissen Sie, Celle hat ein Problem: Hier ist immer irgendwie das Fenster auf und es zieht ständig. Außerdem ist es hier wahnsinnig kalt. Aber im ernst: Liebe Celler, ihr habt ein wunderschönes Theater. Geht hin. Das Schlosstheater hat es verdient.

Von Hartmut Jakubowsky