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Celle Stadt Amtsgericht Celle schickt gewalttätigen Sohn ins Gefängnis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Amtsgericht Celle schickt gewalttätigen Sohn ins Gefängnis
10:38 17.10.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link (Symbolfoto)
Celle Stadt

„Wir sind der Überzeugung, dass die Körperverletzungen zum Nachteil der Mutter stattgefunden haben“, sagte der Vorsitzende des Schöffengerichts bei der Urteilsverkündung und argwöhnte: „Und das ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs.“

Der Prozess hatte zuvor erschreckende Einblicke in die Verhältnisse der Familie B. in Westercelle geliefert, wo Frauen offenbar nichts zu melden haben. Laut Zeugen war nicht nur die Mutter das Opfer von Gewalt. Je nachdem, wem man glaubt, wurde auch die 37-jährige Schwester des Angeklagten misshandelt – entweder von ihrem Bruder oder Vater oder von beiden. „Ich habe sie auf der Arbeit mit blauem Auge und mit Hämatom am Arm gesehen“, berichtete die Betreuerin der geistig behinderten Frau. Als Täter habe sie ihren Bruder genannt. „Die Drogen machen meinen Bruder so aggressiv“, soll die 37-Jährige der Polizei gesagt haben. Außerdem habe sie gesagt: „Der Vater ist schlimmer als der Sohn.“

„Es war kein blaues Auge. Gott soll Sie bestrafen wegen ihrer Lügen“, polterte der Angeklagte in Richtung der Zeugin und erwies seiner bis dahin ganz gut laufenden Verteidigung einen gehörigen Bärendienst. Rechtsanwalt Martin Fricke hatte nämlich deutlich gemacht, dass die Beweise gegen seinen Mandaten nur Hören-Sagen und daher von geringer Beweiskraft sind. Die von Medizinern und anderen Zeugen festgestellten Verletzungen würden nicht zu den angeblichen Faustschlägen in der Anklageschrift passen. „Wir haben keinen einzigen Tatzeugen. Die gegen ihn erhobenen Tatvorwürfe sind nicht nachweisbar“, sagte Fricke in seinem Plädoyer und forderte einen Freispruch.

Das Schöffengericht sah jedoch nur einen Anklagepunkt als unbewiesen an: Dass der 39-Jährige von seiner Schwester unter Todesandrohung 30 Euro erpresst habe. „Alles gemeinsam ergibt hier das entsprechende Bild“, sagte der Vorsitzende Richter nach zwei Verhandlungstagen und 16 Zeugen. Zudem habe der 39-jährige Angeklagte durch eine frühere Tat bereits bewiesen, dass ihm „Gewalt gegenüber der eigenen Familie nicht fremd ist“. Am 19. November 2014 hatte Bilgihan B. seine Schwester mit einem PC-Stromkabel regelrecht ausgepeitscht, weil er sich von ihr gestört fühlte.

Wegen dieser Tat sitzt der 39-Jährige bereits bis Juni 2018 im Gefängnis, nachdem er seine Bewährungsauflagen nicht einhielt. Durch das Urteil des Celler Amtsgerichts kommt nun ein weiteres Jahr hinzu. Nach der Haftstrafe wolle der mehrfach vorbestrafte Drogensüchtige endlich bei seinen Eltern ausziehen und auf Entzug gehen.