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Celle Stadt Amtsgericht Celle verhängt Geldstrafe gegen sturen CeBus-Fahrer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Amtsgericht Celle verhängt Geldstrafe gegen sturen CeBus-Fahrer
19:19 29.12.2017
Von Christian Link
Parkende Autos machen die Spörckenstraße in der Regel nur auf einer Seite befahrbar. Die Busse müssen deswegen regelmäßig auf die Fahrspur des Gegenverkehrs ausweichen. Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Später zeigte sie den CeBus-Fahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung an. Einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft über 600 Euro wollte der 38-Jährige aber nicht akzeptieren; er ließ es auf einen Prozess vor dem Amtsgericht ankommen, der kurz vor Weihnachten verhandelt wurde.

Folgendes ist unstrittig: Gegen 7.40 Uhr bog der 38-Jährige mit einem voll besetzten Gelenkbus der Linie 9 von der Alten Grenze in die Spörckenstraße ein. Weil seine Fahrbahn zugeparkt war, musste er auf die Gegenspur ausweichen. Auf Höhe Fohlenweg wäre er dort fast mit einer entgegenkommenden Radfahrerin zusammengestoßen. Die 50-Jährige bremste dabei so abrupt, dass sie über den Lenker stürzte und auf der Straße aufschlug.

"Ich konnte nirgendwo rechts mehr ausweichen, weil da alles zugeparkt war. Wenn du mit dem Gelenkbus schon da drinnen stehst, bleibt dir gar keine Chance mehr, auszuweichen", verteidigte sich der 38-jährige Busfahrer: "Die anderen Radfahrer halten an und fahren auf den Bürgersteig. Aber die Frau hat auf ihr Recht beharrt." Zudem sei er bestenfalls Schrittgeschwindigkeit gefahren und habe zwei Pkw-Längen vor der Radlerin gehalten.

Die 50-Jährige schilderte das anders: "Ich sah den Bus auf mich zukommen und dachte: Der sieht mich einfach nicht, der wird nicht langsamer. Dann habe ich voll gebremst, ich hatte solche Angst, dass er mich umfährt." Erst zwei Meter vor ihr sei der Gelenkbus zum Stehen gekommen. "Im Endeffekt habe ich wahnsinnig viel Glück gehabt, dass ich nicht anders aufgeschlagen bin. Seitdem fahre ich nur noch mit Fahrradhelm", sagte die Geschädigte. Sie habe nach dem Sturz eine dicke Beule am Kopf, einen Bruch im Ellbogenbereich und viele schmerzhafte Hämatome gehabt.

Von der Versicherung der CeBus erhielt die 50-Jährige etwa 750 Euro für eine neue Brille und die Reparaturen am Fahrrad. Eine Entschuldigung habe sie jedoch weder vom Busfahrer noch von der CeBus GmbH erhalten, weshalb sie Anzeige erstattete und darauf beharrte. "Herr B. weiß nicht, was er in dieser Situation hätte anders machen können", kommentierte Rechtsanwalt Meinhard Hedrich den Vorfall und bemängelte stattdessen das "sture Verhalten" der Radfahrerin.

Ein 20-jähriger Gärtner, der den Unfall beobachtet hatte, konnte den Prozess nicht voranbringen. Der einzige Zeuge des Verfahrens wurde von der Richterin ohnehin nur unter Vorbehalt angehört, weil er schon gegenüber der Polizei die Verkehrssituation vor Ort völlig falsch beschrieben hatte. Als er dann von Straßenglätte sprach und den Unfall im Winter verortete, obwohl er tatsächlich bei eher sommerlichen Temperaturen stattfand, durfte der 20-Jährige den Zeugenstand ohne weitere Fragen wieder verlassen.

Wer Schuld an dem Beinahezusammenstoß hatte, konnte letztlich nicht geklärt werden. Die Richterin erkannte jedoch einen Sorgfaltsverstoß des Busfahrers und schlug vor, dass der Angeklagte eine Entschädigung von 100 Euro als Entschuldigung an die Radlerin zahlt. "Das wäre für mich in Ordnung, ich will nur meine Kosten wiedererstattet haben", sagte die 50-Jährige.

Während die Staatsanwältin mit ihrer vorgesetzten Stelle über den Vorschlag beriet, handelten Richterin und Rechtsanwalt eine Ratenzahlung aus, da sich der für vier Kinder unterhaltspflichtige Angeklagte eine Einmalzahlung nicht leisten könne. Die Staatsanwaltschaft beharrte jedoch auf mindestens 200 Euro Strafe, worauf sich die Verteidigung nur widerwillig einließ. "Herr B. ist seit einer Woche krank geschrieben in Erwartung dieses Termins, und das will er nicht nochmal erleben. Deswegen stimmt er der ganzen Sache zu", sagte sein Anwalt.