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Celle Stadt Anbindung von Bergen: Kuhhandel bei Bahntrassen?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Anbindung von Bergen: Kuhhandel bei Bahntrassen?
17:22 21.02.2014
Die Frage von Güter- und Personenverkehr könnte im Landkreis sprichwörtlich auf ein Gleis geführt werden. Quelle: Carmen Jaspersen
Celle Stadt

Die Stadt im Nordkreis muss sich nach Alternativen für die Zeit nach dem Weggang der Briten umsehen. Dabei geht es sowohl um Menschen als auch Jobs. Bergen taucht als Station sowohl bei der Güterverkehrstrasse als auch bei der Reaktivierung von Bahnstrecken auf.

Der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte hatte sich nach der Veröffentlichung der Bahnuntersuchung strikt gegen eine Güterverkehrstrasse durch den Landkreis Celle ausgesprochen. Er will die alte Y-Trasse. Ebenso äußerte sich der Ortsbürgermeister von Celle-Neuenhäusen, Jörg Rodenwaldt (SPD).

Doch führende CDU-Politiker aus dem Landkreis Celle haben es nicht so eilig mit einem sofortigen Ausschlussplädoyer. Allen voran Landrat Klaus Wiswe und Bergens Bürgermeister Rainer Prokop. „Natürlich werden wir mit der lokalen Brille auf das Projekt Güterverkehrstrasse schauen und es muss aufgepasst werden, dass man sich nicht einen kleinen Vorteil mit großen Belastungen erkauft. Letztlich sollte man aber zunächst auch nichts ausschließen”, sagt Wiswe.

Auch für Bergens Bürgermeister kommt es auf die Bedingungen an. „Für Güterverkehr ohne zusätzliche Begleitmaßnahmen würde es ein klares Nein aus Bergen geben. Man müsste sich anschauen, ob es da nicht andere Angebote gibt”, sagt Prokop. Denn wenn Bergen zum Beispiel an Städte wie Hamburg und Hannover mit der Bahn in annehmbarer Pendelzeit direkt angebunden wird, ist das „eine Chance, denn ein Baustein, um die Landflucht zu stoppen, ist eine gute Verkehrsanbindung, mit der ich schnell dorthin und auch wieder weg komme”, sagt der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Kreistag, Torsten Harms.

Der Druck auf die Immobilienmärkte in Hamburg und Hannover wächst gerade gewaltig. Die Landeshauptstadt im Süden verzeichnete vergangenes Jahr einen Anstieg der Bevölkerung um 5000 Menschen. Wer in begehrten Lagen Wohnraum vermieten will, kann sich oft vor Anfragen nicht mehr retten. Noch schlimmer ist es in Hamburg. In der Folge wachsen die Speckgürtel. Wer heute zum Beispiel in Buchholz in der Nordheide – ein Ort, von dem man in rund 30 Minuten mit der Bahn Hamburgs Innenstadt erreicht – ein Einfamilienhaus mit halbwegs normalem Standard kaufen möchte, braucht unter 300.000 Euro nicht mal daran denken. Bergen wäre da eine Alternative.

Auch in der Celler SPD signalisieren die Verantwortlichen deshalb die Bereitschaft, über einen solchen Deal nachzudenken. „Es ist klar, dass wir eine Verbesserung der Personenbeförderung für Bergen wollen und brauchen”, sagt der Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt. Jede Lösung zum Güterverkehr müsse diese Komponente beinhalten.

Unabhängig davon arbeitet er weiter an der Reaktivierung der alten Bahnstrecken. Im April sollen Ergebnisse der Landesnahverkehrsgesellschaft zu den jetzt noch 28 im Rennen befindlichen Strecken kommen. Danach werden sechs noch einmal einer vertieften Prüfung unterzogen.

Von Tore Harmening