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Celle Stadt Andrea Bongers über Mutterliebe und Klammerreflex in Celles Kunst & Bühne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Andrea Bongers über Mutterliebe und Klammerreflex in Celles Kunst & Bühne
16:49 18.12.2017
Quelle: David Borghoff
Celle

Sehr authentisch – betrachtet durch die Augen einer Mutter mit Sohn, der „schon aus dem Gröbsten raus ist“ … oder ist dann die Mutter aus dem Gröbsten raus? – hat Andrea Bongers ihre Gedanken, Befürchtungen und Sehnsüchte in dem aktuellen Programm quasi aufbereitet und dem Publikum zu Füßen gelegt. Da geht es um Mutterliebe und den Klammerreflex, wenn die Kinder tatsächlich das tun, was man etliche Pubertätsjahre lang heimlich ersehnt hat – nämlich ausziehen und beginnen ihr eigenes Leben zu leben?

Schritt für Schritt arbeitet sich die Kabarettistin zum eigenständigen Wesen durch. Phase eins: Orientierungslosigkeit – was soll man tun, wenn sich alles mehr nach Verlust als nach wiedergewonnener Freiheit anfühlt? Ist man tatsächlich reif für die Endlösung „das letzte Kind hat Fell – ein Hund muss her“? Es braucht seine Zeit, sich aus der Singulärposition eines Kollektivs rauszuschaffen. Dazwischen liegen viele Sentimentalitäten, Erinnerungen und Rückfälle in das eingefleischte „Mutti ist die Beste“-Syndrom.

Die Mimik und Gestik der Kabarettistin sind wundervoll, dazu kommen ihre witzigen Lieder und natürlich die Riege der Puppen, die ihr „zur Hand gehen“: Opa Heinz, der seine Enkel kidnappt, damit die mal „nichts“ machen dürfen – statt durchgeplanter Fulltime-Woche. „Schon klar, man will eben alles ganz richtig machen“, versteht die selber-Mutter, weiß aber auch, dass das oft nicht das Beste ist. Auch Abnabeln will gelernt sein. Das Seelentrösterschaf probiert es mit „kauf dir neue Schuhe!“ Die beste Freundin mit Verkuppelungsversuchen – und wenn gar nichts mehr geht: Ein Teller Hühnersuppe hilft immer. Die selbstkritische Bestandsaufnahme – eher hexy statt sexy dämpft jeden Datingspaß. Vielleicht ist Single mit Hund doch die bessere Alternative?

Von Doris Hennies