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Celle Stadt "Anfassbare" Musik in der Alten Exerzierhalle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Anfassbare" Musik in der Alten Exerzierhalle
22:11 15.03.2015
Idyllisch und voller Romantik: das niedersächsische - Landeszupforchester in der Alten Exerzierhalle. Quelle: Anne Friesenborg
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So nah an konzertante Musik kommt ein Publikum selten. Die „Nacht der Musik“ anlässlich der Chor- und Orchestertage in Celle machte das Musizieren „anfassbarer“ – Akteure und Zuhörer waren auf Tuchfühlung. Drei Orchesterformationen standen am Samstagabend in der Alten Exerzierhalle auf der Bühne, um eine Kostprobe ihres Repertoires abzugeben – mehr konnte es in den rund 35 Minuten nicht sein.

Einen Funken sprühenden Anfang machte das Landesjugendblasorchester Niedersachsen mit der Ouvertüre zu Händels Feuerwerksmusik. Unter der Leitung von Matthias Höfert wurde sofort deutlich: Hier sitzen junge, begabte Musiker, die Spaß haben. Die Herzen des Publikums waren schon erobert, bevor das junge Blasorchester mit einem Ausschnitt ihres Programms „Auf nach England“ mit 3 Sätzen von Phillip Starke fortfuhr, die an Werke von Gershwin erinnerten.

Kleinere Unebenheiten machte der anhaltende Enthusiasmus der 13- bis 24-jährigen Musiker mehr als wett, auch bei den drei Sätzen aus dem Werk William Waltons. Das Publikum applaudierte ausgelassen und honorierte eine sehr gute Leistung, die für einige Jungmusiker innerhalb zweier Tage Orchestereinfügung erbracht werden musste. Als Zugabe gab es einen stark akzentuierten 5. Ungarischen Tanz von Johannes Brahms als „Rausschmeißer“.

Idyllischer und voller Romantik begannen, nach dem Wechsel, Ulrich Beck und das Niedersächsische Landeszupforchester mit einem Werk des Renaissance-Komponisten John Dowland. Man konnte die Tochter aus gutem Hause (in diesem Falle Franziska Beck), die in Begleitung lyrischer Mandolinen und Gitarren ihre Stimme in einer häuslichen Soiree zum Besten brachte, fast vor sich sehen. Natürlich sprengt die Quantität des Orchesters eine bloße Liedbegleitung bei weiten – und wie gut es mit der Qualität des Zupforchesters steht, bewies die Interpretation der neuzeitlichen Werke von Thilo Cornelissen und noch stärker von Eduardo Angulo. Mit geschlossenen Augen waren da Weite, Freiheit, Natur aber auch ungestümes Temperament klangmalerisch herauszuhören – fast filmmusikalisch einsetzbar, so stark emotionalisiert.

Nach einem etwas gedämpften Anfang – sicherlich dem ungewohnten fliegenden Wechsel zuzuschreiben – fand abschließend die Hannoversche Orchestervereinigung zu einer wunderschönen „Frühlingssymphonie“ von Robert Schumann zusammen. Perfekte Einsätze, saubere Tempi, Dirigent Martin Lill hatte sein Orchester liebevoll-stark im Griff. Mit einer Extra-Bravour für die Flöten belohnte ein begeistertes Publikum die Leistung mit viel Beifall.

Von Doris Hennies