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Celle Stadt Angeprangert trifft auf Wort-Akkord
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Angeprangert trifft auf Wort-Akkord
21:58 23.07.2017
Celle Stadt

Trotz angesagten Regens und der Abwanderung eines Teils des Stamm-Publikums nach „Südwinsen“ gelang es dem Poetry-Slam „Angeprangert! trifft auf Wortakkord”, Menschen für die Veranstaltung zu gewinnen, die sich bisher nicht oder nur wenig für Slams interessiert hatten. Etwa 180 Zuschauer verfolgten die gut dreistündige Veranstaltung. Die Initiative für diese Veranstaltung war von der Bürgerstiftung Celle in Kooperation mit Slam-Moderatorin Jessy James LaFleur ausgegangen.

LaFleur hatte vor zwei Jahren erstmals ihre Poetry-Slams mit der Musik des Trios „Wortakkord“ kombiniert, etwa so, wie man eine Filmszene mit musikalischem Hintergrund versieht. Die Slammer konnten in einem kurzen Gespräch mit den Musikern ihren Text charakterisieren und Wünsche zum Stil der Musik äußern, dann wurde improvisiert.

Das gelang ziemlich gut, manchen Slammern gelang es sogar, ihre Reime synchron zu den Rhythmen vorzutragen. Die Amerikanerin Natasha Jaffe übernahm mit ihrem Cello meist die Melodieführung, der Ire Timmy O´Toole mit seiner E-Gitarre die Harmonien und der spanische Bassist Juan Antonio Alañón wechselte auch mal als Drummer ans Laptop. Unterhaltsam war, wie sich Cellistin Jaffe zwischen zwei Slams als „Human Jukebox“ profilierte: Auf Zurufe aus dem Publikum spielte sie Titel wie Jacksons „Beat It“ oder Vivaldis „Winter“ an.

Zu den acht Slammern des Abends gehörten auch zwei junge Celler: Laura Trautsch sammelt nach der Teilnahme an einem U20-Workshop ihre ersten Bühnenerfahrungen, schaffte es aber noch nicht, bis ins Finale vorzudringen. Matti Linke ist schon länger dabei, er erreichte das Vierer-Finale.

Doch die Stars des Abends kamen aus dem Ausland: Der Österreicher Bastian Mayerhofer verdiente sich Publikums-Sympathien mit seiner „wahrheitsgetreu erfundenen Ballade“ mit dem Titel „Wenn die Natur ruft“, in der er ziemlich abgedreht die Folgen eines Kneipenbesuchs karikierte. Ursa Major aus New York City trug seine englischen Texte rhythmisch im Stil eines Rappers vor, war aber wegen seines New Yorker Dialektes nicht immer gut zu verstehen.

Doch den meisten Applaus erhielt der Amsterdamer Kevin Groen, der hinreißend mit seinem asiatischen Aussehen kokettierte. Als ihn zum ersten Mal eine Frau als „attraktiv“ bezeichnet habe, sei das für ihn nicht glaubwürdig gewesen. Er sei doch zu klein, seine Augen auch, und maskulin wirke er auch nicht. „Don’t tell me, I’m beautiful – make me feel that I am!“ Den englischen Texten konnten vermutlich nicht alle Zuschauer folgen, aber im Abstimmungsverhalten schlug sich das nicht nieder: Kevin Groen wurde auf den ersten Platz applaudiert.

Von Peter Bierschwale