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Celle Stadt Angestellte der CeBus fürchten um Existenz und Katastrophe im Celler ÖPNV
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Angestellte der CeBus fürchten um Existenz und Katastrophe im Celler ÖPNV
21:48 10.12.2013
Von Michael Ende
Externe Anbieter drängen auf den Celler ÖPNV-Markt - Gewerkschafter warnen vor Billig-löhnen und eingedampften Fahrplänen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Eigentlich wollten die Celler in Sachen ÖPNV auch in Zukunft unter sich bleiben – doch nun könnte nach Informationen der CZ doch ein externer Bewerber mitmischen. Insider befürchten folgendes Szenario: Ein CeBus-Konkurrent hat ein eigenwirtschaftliches Angebot eingereicht. Um im Geschäft zu bleiben, sah sich die CeBus gezwungen, auch ein eigenwirtschaftliches Angebot einreichen. Dem fremden Unternehmen, das nur Dumping-Löhne zahlt, wird von der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) der Zuschlag für den ÖPNV in Celle erteilt. Die CeBus wäre ausgebootet.

„Dabei ist anzumerken, dass auch ein auf eigenwirtschaftlicher Grundlage erstelltes Angebot der CeBus für Fahrgäste und Beschäftigte über die Qualität einer mittleren Katastrophe nicht hinausgehen kann. Zu erwarten ist außerdem eine Lohnsenkung um zehn Prozent und mehr. Bei potenziellen Wettbewerbern, die nachweislich unter 9,50 Euro pro Stunde zahlen, käme auf die Celler Busfahrer ein weiterer sozialer Abstieg zu – sofern sie überhaupt einen Arbeitsplatz beim neuen Betreiber ergattern können. Auch für unsere Fahrgäste wird eine weitere Verschlechterung des Celler ÖPNV die logische Folge sein“, so CeBus-Betriebsratsvorsitzender Jürgen Elendt. Es könnte sein, dass das von allen gewollte und „zur Beruhigung der Betroffenen in der Öffentlichkeit als gute Arbeit der Politik verkaufte“ gemeinwirtschaftliche Vergabeverfahren gar nicht mehr stattfinde.

Eigentlich hatte die Politik alles auf den Weg gebracht: Man hatte erklärt, dass der Celler ÖPNV sich nicht allein durch Fahrgeldeinnahmen trägt und auch in Zukunft bezuschusst werden muss. Der Kreistag hat beschlossen, dass jeder Bewerber die Beschäftigten übernehmen müsse und ihnen die derzeit geltende Entlohnung auch in Zukunft zu bieten hätte. Bevor jedoch Angebote dazu abgegeben werden können, hatten Unternehmen die Möglichkeit, anzuzeigen, dass sie den Celler ÖPNV ohne Zuschüsse betreiben wollen. Dabei müssen sie keine sozialen Standards einhalten und auch die derzeit Beschäftigten nicht übernehmen. Die Frist für eigenwirtschaftliche Anträge lief am 4. Dezember ab. Über die Seriosität der Angebote hat nun die LNVG zu entscheiden.

Ver.di befürchtet, dass ein Betreiber den Zuschlag „mit Dumpinglöhnen“ erhält. Dies würde sich auch auf die Qualität des ÖPNVs auswirken. „Ein Fahrer kann noch so gut qualifiziert sein, wer aus finanzieller Not gezwungen ist, Überstunden bis an die gesetzliche Grenze zu leisten, kann nicht Tag für Tag hochkonzentriert mit hunderten Fahrgästen am Straßenverkehr teilnehmen“, so Gewerkschaftssekretärin Mira Ball. Auch bestehe die Gefahr, dass das Angebot nicht dem derzeitigen Angebot für die Bürger und den Vorgaben im Nahverkehrsplan entspricht. „Wir können uns nicht vorstellen, dass ein seriöses Angebot eingeht. Wir kennen jedoch etliche Fälle, in denen eigenwirtschaftliche Verkehre in mühseligen Verfahren von den Behörden wieder entzogen werden mussten, da die Anbieter den Fahrplan einfach nur lückenhaft bedienen“, so Ball weiter.