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Celle Stadt Angst vor Wölfen ist weit verbreitet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Angst vor Wölfen ist weit verbreitet
17:01 21.02.2014
Celle Stadt

Diese Angaben machte der Wolfsberater und langjährige Bundesförster Helge John in dieser Woche in seinem Vortrag im Ausschuss für Umwelt und ländlichen Raum des Celler Kreistags. Ein Rudel beanspruche ein Revier von 200 bis 300 Quadratkilometern, wobei die Größe auch von der Beutetier-Verfügbarkeit abhängig sei. John zeigte anhand einer Karte, welche Ausmaße so ein Revier im Landkreis Celle habe könne. Da sich Wölfe nicht “verdichten” ließen, werde sich in den Territorien auf lange Sicht auch nichts ändern.

Der Wolf sei anspruchslos, was seinen Lebensraum angehe. Er benötige einen ungestörten Bereich für die Aufzucht der Welpen und ein ausreichendes Nahrungsangebot. Ein Wolfsrudel werde immer aus einer Familie gebildet, deshalb gebe es auch keine Kämpfe um eine Rangordnung, wie sie etwa bei Gehege-Wölfen zu beobachten seien.

“Wölfe können Menschen töten”, sagte John. Deshalb könne niemand unterschreiben, dass nie etwas passiere, sagte er mit Blick auf die deutschen Wolfsvorkommen. Allerdings machte er deutlich, dass dieser Fall in Europa in den Jahren 1950 bis 2000 genau neun Mal vorgekommen sei. In fünf Fällen handelte es sich um tollwütige Wölfe, die Menschen töteten. Die anderen vier Fälle ereigneten sich in Spanien in den 1950er Jahren sowie 1974. Hierbei starben vier Kinder im Altern zwischen elf Monaten und fünf Jahren.

Bei seinen Angaben bezog sich John auf die 2002 erschienene Nina-Studie aus Norwegen. Das Norsk Institutt for Naturforskning hatte unter dem Titel „The fear of wolves: A review of wolfs attacks on humans” mit Unterstützung von Kollegen aus aller Welt Daten über Wolfsangriffe auf Menschen gesammelt und ausgewertet. Dabei waren Quellen - auch aus vergangenen Jahrhunderten – erfasst und Interviews vor Ort durchgeführt worden. In früheren Jahrhunderten gab es mehr Wolfsattacken, etwa aus Indien werden auch heute noch relativ viele Angriffe der Beutegreifer auf Kinder gemeldet. Dabei seien Faktoren wie entwaldete Lebensräume mit geringer Beute, hohe Bevölkerungsdichte bei schlechten Lebensbedingungen sowie die von Hirten mit Hunden bewachten Viehherden zu berücksichtigen, heißt es in der Studie. Im Internet ist sie zu finden unter: http://www.nina.no/archive/nina/PppBasePdf/oppdragsmelding/731.pdf

John bezeichnete den Wolf in seinem Vortrag als “total emotionales Tier”. “Wir werden immer Menschen haben, die Angst vor Wölfen haben”, sagte er. Die Gefahr, die von einem angefahrenen Wildschwein ausgehe, halte er aber für ungleich größer.

Von Joachim Gries