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Celle Stadt Anke Backhaus erhält Celler Ehrenamtspreis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Anke Backhaus erhält Celler Ehrenamtspreis
18:46 17.08.2017
Von Dagny Siebke
Kirsten Lühmann, Brigitte Zypries und Ros-Marie Siemsglüß (von links) überreichen Oberlöschmeisterin Anke Backhaus den Ehrenamtspreis der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Quelle: Fotocredit
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Es gibt nichts, was Anke Backhaus als Feuerwehrfrau nicht gemacht hat: Mit schwerem Atemschutz in ein brennendes Haus stürzen. Ins Wasser steigen, um eine Ölsperre aufzubauen oder stundenlang einen Waldbrand bekämpfen. Seit 25 Jahren ist die Westercellerin bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Für ihr unermüdliches Engagement wurde die 56-Jährige gestern von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen ausgezeichnet. Den Celler Ehrenamtspreis überreichten Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), die Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann und Ros-Marie Siemsglüß in der Buchhandlung Decius.

Rückblickend sagt Backhaus: "Es war ein harter Kampf, von den Kameraden anerkannt zu werden. Anfangs haben mir einige Männer den Job nicht zugetraut." 1992 hatte sie in einem Zeitungsartikel gelesen, dass bei der Freiwilligen Feuerwehr in Celle auch Frauen erwünscht sind. Ihr Mann war damals schon acht Jahre dabei. Um einen leichteren Einstieg zu finden, stellte sie sich mit einer Freundin bei der Feuerwehr in Westercelle vor. "Jung, dynamisch und furchtlos" sei sie damals gewesen, sagt sie.

Die Mitstreiterin verlor schnell das Interesse. Doch Backhaus blieb Feuer und Flamme. "Ich habe alle Lehrgänge gemacht", betont die Oberlöschmeisterin. Sie gründete die Jugendfeuerwehr und leitete sie mehr als zwölf Jahre. Als erste Frau in Niedersachsen machte sie die Gefahrengutausbildung an der Landesfeuerwehrschule. Wenn Alarm ist, ist sie die Erste am Gerätehaus und fährt den Einsatzwagen vor. "Ich bin glücklich, wenn ich weiß, dass wir Schlimmeres verhindern konnten. Es ist doch gut, wenn nur der Kochtopf gebrannt hat und nicht das ganze Haus."

Als sich Backhaus das erste Mal bei der Feuerwehr Westercelle vorstellte, war ihr jüngster Sohn gerade ein Jahr alt. "Um bei den Einsätzen dabei zu sein, mussten wir ständig Betreuung organisieren", erzählt sie. Zum Glück brauchten die Eltern nur bei der Nachbarin klingeln und "Alarm" rufen, dann wusste sie Bescheid und passte so lange auf die drei Kinder auf, bis die Großeltern da waren. "Die Großeltern haben so einiges auf sich genommen", betont sie. Die Kinder sind in die Feuerwehr hineingewachsen, zwei engagieren sich heute noch in Celle, ein Sohn hat das Hobby zum Beruf gemacht.

Heute sind in Westercelle fünf von 40 Mitgliedern Frauen. In den 25 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr sei der Umgangston viel freundlicher geworden, sagt Anke Backhaus. Es gehe nun etwas harmonischer zwischen den Kameraden zu und es werde nun zum Beispiel darauf geachtet, dass immer genug Kaffee da sei.

Westercelles ehemaliger Ortsbrandmeister Bernhard Busche erinnert sich noch gut an einige Kommentare auf der Jahreshauptversammlung 1992: "Es kann doch nicht sein, dass eine Frau in eine Männerdomäne einzieht." Doch Busche stärkte Anke Backhaus den Rücken. "Die Leistung ist entscheidend", entgegnete er Zweiflern und behielt Recht.

Ortsbrandmeister Olaf Mackensen bedankte sich in der Laudatio besonders für das Engagement in der Jugendfeuerwehr. Anke Backhaus vermittelte nicht nur technisches Wissen, sondern auch Umweltbewusstsein. Die Kinder sammelten so eifrig Altpapier, dass sie mit dem Geld dafür zur Ferienfreizeit nach Spanien verreisen konnten.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) setzt sich dafür ein, dass Frauen von der zweiten in die erste Reihe springen. "Hoffentlich tun es viele Frauen Anke Backhaus gleich und trauen sich auch zu springen", sagte sie bei der Preisübergabe.

Nach Ansicht von Kirsten Lühmann braucht es drei Dinge, um den Frauenanteil zu steigern: "Ein Gesetz, Vorreiterrinnen und eine Gemeinschaft, die diese unterstützt."