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Celle Stadt Anleinzwang gilt nicht überall
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Anleinzwang gilt nicht überall
18:15 08.04.2013
Celle Stadt

„Als verantwortungsvoller Hundebesitzer kann ich meinen Border Terrier nicht nur an der Leine halten“, sagt Hans Dieter Hoffmann aus Celle. Es liege einfach nicht drin, einen Hund, der Auslauf brauche, wochenlang nur angeleint zu führen. Hoffmann berichtet von Diskussionen unter Hundehaltern im Bereich Kiebizsee, wie sie die nächsten Wochen verfahren sollen. Anlass der Diskussion ist die Anleinpflicht für Hunde, die seit dem 1. April in der freien Landschaft wieder gilt. Damit soll auf die allgemeine Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit in der Tierwelt Rücksicht genommen werden.

Grundlage für den Leinenzwang ist das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG). Das kennt in Paragraf 33 mit dem Titel „Pflichten zum Schutz vor Schäden“ Ausnahmen. Danach gilt die Anleinpflicht nicht für Hunde, die zur Jagd, als Rettungs- oder Hütehunde oder von der Polizei, dem Bundesgrenzschutz oder dem Zoll eingesetzt werden oder für Blindenhunde.

Paragraf 2 des Gesetzes definiert, wo es gilt. Danach besteht die freie Landschaft aus den Flächen des Waldes und der übrigen freien Landschaft, auch wenn die Flächen innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegen. Bestandteile dieser Flächen sind auch die zugehörigen Wege und Gewässer. Absatz 2 schränkt diese Definition aber ein: „Nicht zur freien Landschaft gehören Straßen und Wege, soweit sie aufgrund straßengesetzlicher Regelung für den öffentlichen Verkehr bestimmt sind.“

"Das ist wegen des Verkehrs nicht ungefährlich", sagt Kreisnaturschutzbeauftragter Jürgen Kühl. Und der Hund müsse ordentlich bei Fuß gehen. Zum Austoben sei das aber nichts, da helfe nur ein umzäuntes Grundstück.

Es gibt beim Leinenzwang auch weitergehende Regelungen. So gilt etwa in der oberen Allerniederung zwischen Celle, Lachtehausen und Altencelle im Bereich von Grünland, Sümpfen und Röhrichten einschließlich der Dammaschwiesen zwischen Pfennigbrücke und „Thaers Garten“ das Verbot, Hunde vom 1. April bis zum 31. August unangeleint laufen zu lassen. In den städtischen Parkanlagen gilt grundsätzlich Anleinpflicht. Wie auch in Naturschutzgebieten, während in Landschaftsschutzgebieten nach Angaben von John Wohlgemuth vom Amt für Umwelt und ländlichen Raum beim Landkreis Celle keine gesonderten Regelungen gelten.

Roman Thönies vom Tierheim Celle sieht die Anleinpflicht differenzierter. Wären alle Hunde 100-prozentig erzogen, wäre der Leinenzwang nicht notwendig. Wenn ein Hund korrekt bei Fuß geht, werde kein Jäger etwas sagen. „Aber wenn er bei Fuß geht, kann er auch an der Leine gehen“, sagt Thönies. Er lässt seine eigenen Hunde im Wald grundsätzlich nicht von der Leine, denn er hat erlebt, wie schnell die Vierbeiner weg sind, wenn ein Stück Wild aufspringt.

Von Joachim Gries