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Celle Stadt „Antonius und Cleopatra“ zum ersten Mal im Schlosstheater zu sehen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Antonius und Cleopatra“ zum ersten Mal im Schlosstheater zu sehen
15:14 19.02.2012
Antonius und Cleopatra 2 - Kai Roloff (Antonius) und Sibille Helfenberger (Cleopatra) Quelle: Jochen Quast
Celle Stadt

Ganz zu Unrecht scheint William Shakespeare’s Drama „Antonius und Cleopatra“ wohl ein Schattendasein auf unseren Bühnen zu führen, obwohl es doch zu den wichtigsten politischen Stücken des Dichters gehört. Aber vielleicht ist es ja auch nur die Angst der Theatermacher vor den umfangreichen technischen und personellen Anforderungen, die Aufführungen so rar gemacht haben. Wie dieses Werk dennoch zu bewältigen ist, ohne in die Sprach- und Bildkraft Shakespeare’s allzu sehr einzugreifen und die Intensität der Geschichte zu beeinträchtigen, zeigt jetzt in der Residenzhalle das Celler Schlosstheater in einer grandiosen Inszenierung von Horst Ruprecht.

Da haben weder Liz Taylor und Hollywood, noch überzogen schrille Interpretationen und auch kein altmodisches Dekorationstheater eine Chance. Auf gut zwei Stunden ohne Pause hat Ruprecht das Stück zusammengestrichen, die insgesamt dreißig Rollen auf vierzehn Darsteller verteilt und die Exposition und verschiedene andere Szenen unter Beibehaltung der Sprache leicht verändert. Das nützt dem Verstehen und tut dem zügigen Ablauf gut. Das Auge braucht dabei keineswegs zu darben Dirk Immrich, der auch für die zeitlos modernen Kostüme vom kleinen Schwarzen der Cleopatra bis hin zu den militärischen Stahlhelmträgern verantwortlich ist, hat dazu ein eindrucksvoll strukturiertes Bühnenbild geschaffen, das mit leichten Veränderungen immer wieder neue, spannende Spielräume bis hin in den Zuschauerraum ermöglicht und störende Umbauten vermeidet. Im Zentrum hat die fast ständig präsente Cleopatra ihr kuscheliges Reich, während um sie herum das Leben kriegerisch tobt. Sibille Helfenberger gibt sie bald gurrend verführerisch, bald herrisch auftrumpfend und machtbewusst und zeigt Cleopatra als eine imponierende Persönlichkeit mit unergründlichen Facetten bis zu ihrem Tod. Eine hervorragende schauspielerische Leistung, die man auch Kai Roloff als Antonius ohne Einschränkung zugestehen mag. Als bester Heerführer Roms ist er den Waffen einer Frau komplett unterlegen. Antonius lebt in einer Welt der unbedingten Liebe, die sich mit seinen soldatischen Pflichten so gar nicht verträgt. Dass zu seinem Selbstmord das „Lied vom guten Kameraden“ gesungen wird, mag man wie auch Cleopatras „Die Gedanken sind frei“ getrost in die Kategorie „überflüssig“ einordnen. Da hätte am Schluss der stets leibhaftig anwesende Tod (Hartmut Fischer) durchaus genügt. Ein abscheulich schleimiger und intriganter Octavius Caesar ist Jan-Christof Kick. Per Videoübertragung hält er seine Reden von der Galerie im Hintergrund.

Nicht minder beeindrucken Heinz Behrens als Lepidus, Jürgen Kaczmarek als Sextus Pompejus oder auch Christina Rohde als Octavia, um nur einige aus einem hervorragenden Ensemble ohne Fehl und Tadel zu nennen. Ein Theaterabend insgesamt, den man zu den Höhepunkten dieser Spielzeit rechnen dürfte, wäre da nicht die ständig zunehmende Zahl von Theaterbesuchern, die glauben, ihre Getränke mit zum Platz nehmen zu müssen, um sie dann beim Trinken ihrem Hintermann als Schattenspiel zu präsentieren oder sie im Dunklen unabsichtlich, aber lautstark zu zerdeppern. Da wird das Bier zum Wehrmutstropfen.

Von Hartmut Jakubowsky