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Celle Stadt Arbeitsteilung im Celler Hühnerstall
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Arbeitsteilung im Celler Hühnerstall
11:05 25.07.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

Jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei. Landläufig bringen Hühner nicht viele Talente mit. Doch die Tiere des "Integhofes" im Celler Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) legen fleißig Eier und bringen einen relativ hohen Fleischansatz mit. Diese beiden nützlichen Veranlagungen sollen die männlichen Eintagsküken vor dem Tod im Schredder bewahren. 44 Millionen Brüder traf dieses Schicksal 2014 in Deutschland. Doch diese Praxis stößt gesellschaftlich und politisch auf immer weniger Akzeptanz. Als Alternative untersuchen Forscher das Zweinutzungshuhn „Lohmann Dual“, bei dem die Hennen fürs Eierlegen zuständig sind und sich die männlichen Tiere für die Mast eignen.

Hermann Onko Aeikens ist Staatssekretär des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und besuchte gestern das Institut für Tierschutz und Tierhaltung. Die Wissenschaftler erläuterten Aeikens die neuesten Ergebnisse zum Zweinutzungshuhn „Lohmann Dual“. Zudem zeigten sie ihm ein neuartiges, integriertes, besonders tiergerechtes und nachhaltiges Haltungssystem – auch für praxisübliche Mast- und Legehybride. Untersucht wird zum Beispiel die Nutzung verschiedener Sitzstangen und erhöhter Ebenen und deren Auswirkungen auf Verhalten und Gesundheit der Tiere. Institutsleiter Lars Schrader erklärte: "Durch zusätzlichen Platz trainieren sie ihre Lauffähigkeit und haben so weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hier haben sie auch weniger Fußballenentzündungen, weil sie nicht wie in der Praxis ständig in Einstreu stehen."

Für Staatssekretär Aeikens war der Besuch in Celle eine angenehme Abwechslung zum Ministeriumsalltag. "Gerade, weil ich mit Tieren aufgewachsen bin", betonte der gebürtige Ostfriese. Die Themen Tierschutz und Tierhaltung hätten nun die Mitte der Gesellschaft erreicht. Vor zehn Jahre habe man am FLI noch Stellen abgebaut, doch mittlerweile werde die Zahl der Mitarbeiter wieder aufgestockt. "Inzwischen sind die Untersuchungen nicht nur für den Hausgebrauch, sondern haben auch internationalen Charakter", so Aeikens.

"Das Sterben der männlichen Eintagsküken ist ein Thema, dass wir in nächster Zeit beerdigen können", ist sich Aeikens sicher. Schließlich gibt es nun drei Alternativen. Zum Beispiel wird an der Uni Leipzig eine Maschine zur Bestimmung des Geschlechts im Ei entwickelt. Zudem gibt es die Initiative Bruderhahn, bei der auch die Brüder der Legehennen großgezogen werden. Doch diese Hähne sind so klein und mager, dass sie nicht als Masthühnchen dienen. Die dritte Möglichkeit ist das Zweinutzungshuhn des FLI. Die Tiere legen zwar nicht ganz so viele Eier wie konventionelle Legehennen, dafür sind die Hähne aber gleichzeitig für die Mast geeignet. Wissenschaftler Schrader sagte: "Unsere Hühner sind auch die netteren Tiere. Sie sind ruhiger, ausgeglichener und zeigen weniger kannibalisches Verhalten."

In Berlin ist Aeikens gerade dabei, Haltungskriterien für ein staatliches Label zum Tierwohl zu entwickeln. "Wir haben festgestellt, dass die Verbraucher einem staatlichen Label mehr vertrauen würden als verschiedenen Siegeln der Produktion", betonte der Staatssekretär. Die Kriterien für Schweine habe man schon erarbeitet, nur seien die Kriterien für Geflügel an der Reihe.