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Celle Stadt Archäologische Funde aus Altencelle geröntgt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Archäologische Funde aus Altencelle geröntgt
17:58 26.05.2015
AKH-Radiologie hilft bei Untersuchung von Funden in Altencelle Quelle: Alex Sorokin
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Dort, wo sonst täglich Gefäße des Gehirns untersucht werden, steht eine Kiste voller länglicher Klumpen. Der Form nach hat Cornelia Lohwasser sie geordnet: „Das ist ein Großteil meiner Patienten“, sagt die Archäologin. Sie will wissen, was sich unter der dicken Rostschicht verbirgt – am besten ohne den kostbaren Kern zu zerbrechen. Ihre These: „Kann es sein, dass wir auf dem Niemarkt in Altencelle eine Schmiede gefunden haben?“ Denn viele schmale Gegenstände hat sie bei den Ausgrabungen gefunden, es könnten verschiedene Nägel sein. „Ich warte schon lange darauf, Aufschluss darüber zu erhalten.“

Nach der allgemeinen Sprechstunde im AKH nimmt sich der Chefarzt der Radiologie, Professor Christian Fink, extra die Zeit, um den Historikern mit technischem Gerät zu helfen. Fink ist den wissenschaftlichen Austausch gewohnt: „Ich habe Ähnliches schon gemacht. Es ist spannend, wenn moderne Medizintechnik Kulturwissenschaften helfen kann.“ In seiner Mannheimer Zeit hat er für die Reiss-Engelhorn-Museen unter anderem Mumien und eine Barbarossa-Statue durchleuchtet.

Seit knapp drei Jahren wird „Tsellis“ bei Altencelle, die Vorgängersiedlung Celles, im Rahmen eines Projektes der Uni Göttingen archäologisch untersucht. Das vom Land Niedersachsen geförderte Projekt „Stadtwüstung Altencelle“ wird mit Hilfe vieler Studenten und mit mehreren freiwilligen Helfern aus der Umgebung umgesetzt. Auf einer Fläche von vier mal fünf Metern haben die Historiker den Abdruck eines kleinen Gebäudes gefunden, das wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Doch leider war der Befund durch die Bearbeitung des Ackers mit einem etwa einen Meter tief reichenden Pflug tiefgründig gestört: So zeigten sich alle Umrisse nur verschwommen, das ganze Hausinventar war völlig durcheinander geraten. In der Mitte der Fläche lagen drei große „Findlinge“ und mehrere Dutzend etwa faustgroße Steine, dazu einige Backsteine, die einst zusammen eine größere Herdstelle bildeten. Im gesamten Hausbereich lagen sehr viele Keramikscherben verteilt, Relikte zerbrochenen Koch-, Vorrats- und auch Tischgeschirrs. Eine Restaurierung aller Objekte durch einen Fachmann kommt aufgrund hoher zu erwartender Kosten nicht in Frage – zumal es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um profane Objekte handelt.

Lohwasser begutachtet die Röntgenbilder auf dem riesigen Bildschirm: „Man sieht, wie dick die Funde eingebacken sind“. Große Nägel und Messerklingen zeichnen sich ab, auch ein Meißel und eine Pfeilspitze sind gut zu erkennen. „Vielleicht war es ja ein Hufschmied. Die Masse an Hufnägeln ist schon verdächtig.“

Zum Historischen Dorfmarkt in Altencelle am Samstag hat die Fördergemeinschaft „Historisches Altencelle“ wie jedes Jahr einen Stand. Im kleinen „Wandermuseum“ werden die Funde der beiden letzten Ausgrabungen am Niemarkt und östlich des Pottgartens (mutmaßlicher Hafenbereich) ausgestellt sein.

Von Dagny Rößler