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Celle Stadt „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ mit prächtiger Premiere
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ mit prächtiger Premiere
16:42 15.11.2010
Szenenfotos aus "Arielle, die kleine Meerjungfrau": Flippi (Karsten Zinser) hält zu seiner Freundin Arielle (Sarah Timpe), während die mächtig Ärger von ihrem Vater Triton (Tobias Sorge) bekommt. Quelle: Quast
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Vom ersten Moment detailverliebter, farbenfreudiger Unterwasserszenerien bis zum herzerwärmenden Schluss ist die Inszenierung von Regisseur Jan Bodinus, der auch die Songtexte und die Kulisse kreierte, ein wirklich gelungener Genuss.

Als actionreicher Auftakt sausen die Protagonisten, Meereskönig Triton (Tobias Sorge), Sebastian, der vorwitzige Hummer (Dennis Junge), Delphin Flippi (Karsten Zinser) und Arielle (Sarah Timpe) auf Heelys, Rollschuhen, an den Besuchern in Richtung Bühne vorbei. Bald erklingt das erste Lied „Niemand frittiert dich, niemand serviert dich, in unserem Meer“, melodisch und stimmungsvoll von Ulrich Jokiel komponiert. Dann nimmt die tragische Geschichte um die kleine Meerjungfrau, die die Menschen sehen will und sich in einen von ihnen, den Prinzen Eric (Felix von Frantzius) verliebt, ihren kunterbunten Lauf.

Ozeana, das ältere Schwesterlein nämlich darf, was Arielle verboten wird – spazieren schwimmen. Von ihrem mächtigen Vater Triton bekommt Arielle zu hören: „Kommt Zeit, kommt Rat, ein Flossenschlag nach dem anderen“. An solch liebevoll auf die Meereswelt gemünzten Dialogen ist die Inszenierung reich. Und wahnsinnig witzig. Mit wilden Wortwechseln, die nie billig, sondern geistreich daherkommen, ziehen sich die Protagonisten gegenseitig auf. Ob Krusti, fieses Fischstäbchen oder schlüpfriges Schalentier, die Ballwechsel sind pointiert, süß doppeldeutig und meeresbiologisch wohl korrekt.

Mit den Flüchen „Algendreck“ und „Quallenschleim“ tritt die garstige Meerhexe Hydra auf den wässrigen Plan. Auch sie, gespielt von Kathrin Brunner, die wie viele, in einer Doppelbesetzung, sie als Arielles Mutter Tethys auftritt, ist außerordentlich stark. Ihre gesanglichen Solo-Parts haben ein Volumen, so böse blumig wie ihr bezauberndes Kleid. Überhaupt sind die Kostüme eine Augenweide. Da werden Kinder vom Theater so bedient, wie es angemessen für junge Phantasieliebhaber ist. Detailreich, mit schillernden, mehrlagigen Stoffen und wunderbaren Masken, die die Gesichter der Schauspieler samt Mimik freilassen, erschafft das Stück eine Welt, in die jeder sofort eintauchen möchte. Naja, und den Flossen zitternden Flippi, der täuschend echt die Delphintöne nachahmt, den Hummer in seinem coolen Aufzug und den super von Zinser mit Bruchlandung und Berliner Schnabel aufs Parkett gelegten Albatros Skipper – sie alle möchte man als Freunde haben. Der Prinz muss als Außenseiter des Meeres, als Mensch und Mann wohl etwas einfältig sein, was von Frantzius übrigens prima spielen kann. Herrlich devot schlawenzelt er zudem als Moräne der Hydra durchs Bild. Irre komisch ist der Schalentiertanz, flüssig die Choreografie. Ein Stück zum Mehrmals-Sehen. Trockener Humor in feucht-fröhlicher Unterwasserwelt.

●Termine: 20. 11., 11.15 Uhr; 21. 11., 15 Uhr; 4./5. 12., 11.15 und 15 Uhr; 18./19. 12., 11.15 und 15 Uhr. Karten unter s (05141) 9050875-76.

Von Aneka Schult