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19:42 26.09.2018
Besuch der Stadtkirche: Dort wurde Johann Adolph am 29. Mai 1849 getauft. Wie einst ihre Vorfahren genießen Janet und Jon Aschoff den Blick auf den Altar. Quelle: Birgit Stephani
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Gebannt schauen Janet und Jon Aschoff in den Altarraum der Celler Stadtkirche. Ihr Blick geht den Mittelgang entlang. So wie sie selbst vor wenigen Minuten schritten einst ihre Vorfahren durch die Kirche. Im Arm hatten sie vermutlich ihren kleinen Sohn Johann Adolph. Der Kalender zeigte den 29. Mai 1849 und der Nachkomme, der am 21. Mai desselben Jahres das Licht der Welt erblickte, wurde an diesem Tag getauft.

Janet und Jon sind von der US-amerikanischen Westküste nach Celle gereist, um sich auf die Suche nach ihren Vorfahren zu machen oder, genauer gesagt, um mehr über den Ururgroßvater von Jon, eben jenen Johann Adolph, herauszubekommen. Hilfe bekommen sie dabei von Gabriele Fricke, der Vorsitzenden des Vereins für Familienkunde. Zusammen mit den Informationen der Familie Aschoff selbst hat sie bereits einiges herausgefunden: Johann Adolph wurde am 21. Mai 1849 in Celle im damaligen Königreich Hannover geboren. Im Celler Kirchenbuch sind Geburts- und Taufdatum zu finden. Der Vater war Ernst Friedrich, der als Schuhmacheramtsmeister in Celle tätig war. Die Mutter, Sophie Meyer, stammte ebenfalls aus einer Schuhmacher-Familie.

Johann Adolph wurde als viertes von fünf Kindern geboren. Es gibt Hinweise darauf, dass der älteste Bruder Otto (geboren 1943) später Inhaber der Schuhhandlung, Am Markt 7, gewesen sein könnte. Vermutlich starb er vor 1900, seine Frau Anna führte das Geschäft weiter.

Fricke fand Hinweise darauf, dass es vermutlich auch einen Sohn namens Gustav gab, der an der Stadtkirche 6 gewohnt haben soll. Zunächst hatte sie dafür keine Belege, doch der Besuch im Celler Stadtarchiv brachte Gewissheit für Jon und Janet: Tatsächlich hatte Gustav zwei Kinder und soll 29 Jahre verheiratet gewesen sein. Und noch mehr zur Geschichte der Aschoffs ist im Stadtarchiv dank deren Leiterin Sabine Maehnert zu finden. Emsig schafft sie alte Dokumente heran, die mehr Details zur Familie offenbaren. So finden sich Belege dafür, dass Johann Adolph am 26. August 1944 Schuhmacheramtsmeister wurde beziehungsweise Geld dafür zahlte, diesen Titel tragen zu dürfen. Denn damals gab es keine Ernennung in eine gewisse Position, sondern man „kaufte“ sich im Grunde seinen Rang.

Und weitere Details finden sich im Stadtarchiv, die Janet und Jon dabei helfen, sich ein Stückchen näher an die Vergangenheit ihrer Ahnen heranzutasten. Die alten Dokumente offenbaren und bestätigen Adressen. Die Schwierigkeit daran allerdings ist, dass Straßen heute teilweise anders heißen und auch alte Hausnummern nicht mehr stimmen. Gesichert ist die schon im Vorfeld bekannte Adresse Am Markt 7, an der Bruder Otto seine Schuhhandlung betrieb. In dem Haus neben der Buchhandlung Decius befindet sich heute „Arko“. Bei den weiteren Adressen ist es allerdings teilweise ein Rätsel, um welche Häuser es sich genau handelt.

Johann Adolph soll bis zu seiner Heirat vor dem Westceller Tor gewohnt haben und könnte dann 1846 für 865 Reichsmark das Haus in der Schulgasse 6 gekauft haben. Hier kann aber selbst Sabine Maehnert mit ihren alten Karten nicht weiterhelfen. Die Vermutung ihrerseits ist, dass es sich dabei um die heutige Kalandgasse handelt, in der sich auch die alte Lateinschule befindet.

Janet und Jon machten sich daraufhin auf in die Celler Innenstadt. Und tatsächlich finden sich in der Kalandgasse brauchbare Hinweise. Geht man davon aus, dass sich die Hausnummern in der Kalandgasse nicht verändert haben und nur der Name der Straße wechselte, dann würde es sich um das Haus neben der Fahrradhandlung handeln, welches heute allerdings nicht mehr steht und durch einen Neubau ersetzt wurde. Das zumindest ist die Vermutung von Sabine Maehnert. Hinter diesem Gebäude befindet sich heute der sogenannte Ratsherrenparkplatz. Der Besuch vor Ort oder vielmehr in der Kalandgasse allerdings lässt ganz andere Schlüsse zu.

Von der Stadtkirche aus gesehen nicht auf der rechten, sondern der linken Straßenseite befindet sich besagte Lateinschule. Das gesamte Ensemble der Häuser 4 bis 6 war bis 1844 im Eigentum des Kalands, der schon vor der Gründung der Stadt in Altencelle bestehenden Laienbruderschaft. Später gingen sie an die Stadtkirche über. Haus Nummer 4 war bis 1833 das Konrektorenhaus, Interessant ist Haus Nummer 6, welches zunächst die Lateinschule war (1454 bis 1485), dann von 1604 bis 1843 das Rektorenhaus. Schriftlich bewiesen ist, dass Johann Adolph 1846 das Haus in der Schulgasse 6 kaufte. Die Hinweistafel allerdings endet im Jahr 1843 und erwähnt erst wieder die Jahre 1986 bis 1987, in denen das Haus saniert wurde und seitdem als Verwaltung des Bomann-Museums genutzt wird. Für das Jahr 1846 lassen sich dort keine Hinweise finden, es wäre also möglich, dass sich das Haus wirklich in Besitz von Johann Adolph befand.

„Es sind Mutmaßungen“, das wissen auch Janet und Jon, aber das ist für die beiden nebensächlich. Sicher ist, wenn sie auf den Straßen zwischen Markt, Stadtkirche und Kalandgasse wandeln, dann bewegen sie sich dort, wo sich vermutlich auch ihre Vorfahren aufgehalten haben, wo sie vielleicht tagtäglich von ihrem Haus auf die Straße getreten sind.

Unklar ist auch, was Johann Adolph um 1869 veranlasste, Deutschland zu verlassen. Bewiesen ist, dass er in diesem Jahr irgendwann Ellis Island, die Insel im Hudson River im Hafengebiet von New York City betrat. Diese Insel ist bekannt als Sitz der Einreisebehörde für den Staat und die Stadt New York und war über 30 Jahre lang die zentrale Sammelstelle für Immigranten. Johann Adolph war, wenn auch seiner Zeit voraus, einer von ihnen. Von Ellis Island aus ging es für Johann Adolph weiter, die Familie blieb allerdings an der Westküste beheimatet. Wie genau Johann Adolph nach Amerika reiste, ist nicht bekannt, denn auf öffentlichen Passagierlisten war er bislang nicht zu finden.

Auch wenn Janet und Jon durch ihren Besuch in Celle nichts Neues über den Ururgroßvater herausgefunden haben, so konnten doch manche Puzzleteile zusammengefügt werden „Wir sind begeistert von den alten Karten und Dokumenten, die hier so fürsorglich und vorbildlich aufbewahrt werden“, ist ihr Fazit ihres Besuches in der alten Heimat der Vorfahren. Gestern fuhren beide nach Frankfurt, um von dort wieder in ihre Heimat zurückzufliegen. Im Gepäck nehmen sie viele Erinnerungen und Erkenntnisse über ihre längst verstorbene Verwandtschaft und die Dankbarkeit an alle, die ihnen hier vor Ort helfend zur Seite standen, mit nach Hause.

Von Birgit Stephani

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