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Celle Stadt Auf der Spur des Celler Plastik-Mülls
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Auf der Spur des Celler Plastik-Mülls
18:04 07.12.2016
Von Michael Ende
Die Aller ist sauber - aber manche Uferpartien sind vermüllt: Die "Plastikpiraten" vom Ernestinum haben ihren Heimatfluss erforscht. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

"Teenage Mutant Trash Turtles" nennen sich die Celler Schüler, die an der bundesweiten Forschungsaktion "Das Meer beginnt hier!" teilnehmen. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016/17 zum Thema "Meere & Ozean" untersuchen dabei Schüler im gesamten Bundesgebiet Gewässer ihrer Heimat auf Belastung mit Plastikmüll.

Bäche, Flüsse und Ströme bringen neben Wasser auch Plastikmüll in die Meere. Dabei handelt es sich um Makroplastik, wie zerfetzte Plastiktüten, scharfkantige Joghurtbecher oder verknotete Kunststoffschnüre und Mikroplastik: Kleinstpartikel, die man kaum noch wahrnehmen kann. Im Meer gefährdet dieser Müll Tiere und gelangt in die marine Nahrungskette. Die Forschung kann auf eine wachsende Datenbasis zur Belastung der Weltmeere mit Kunststoffen zurückgreifen. Doch das Vorkommen von Plastikmüll in und an Fließgewässern in Deutschland ist vielerorts noch unerforscht. Die Mitmach-Aktion „Plastikpiraten“ trägt dazu bei, diese Lücke zu schließen.

Unter der Leitung ihrer Erdkunde-Lehrerin Meike Mirete-Mumm haben die Schüler der Klasse 8Fn an der "Pfennigbrücke" und am "Otto-Schade-Stadion" die Aller untersucht. Müllansammlungen im Uferbereich wurden gezählt und kartiert; zusätzlich sammelten und maßen die Schüler im fließenden Wasser mit einem Spezialnetz Mikroplastik. Ihre Ergebnisse haben die Ernestiner zur Auswertung über das Internet an eine Kieler Forschungswerkstatt weitergeleitet. Dieses Schülerlabor fügt die Ergebnisse der "Plastikpiraten" aus ganz Deutschland zusammen und wertet sie in Zusammenarbeit mit Professoren der Christian-Albrechts-Universität und dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel aus.

"Wir haben tatsächlich vor allem Plastik gefunden – Tüten und Verpackungen und Plastikflaschen, aber auch Styropor, viele, viele Zigarettenstummel, und – was die Schüler besonders ekelig fanden: eine Windel, dazu auch leere Glasflaschen und Metalldosen. Im Wasser selber haben wir kein Mikroplastik messen können, was die Schüler schon mal beruhigt hat", berichtet Mirete-Mumm. Den Schülern sei aber aufgegangen, "dass ja das Plastik und der weitere Müll am Ufer meist irgendwann ins Wasser gespült wird und dann über kurz oder lang im Meer landet. Besonders schockiert waren sie, zu erfahren, dass so eine Plastikflasche 450 Jahre braucht, um abgebaut zu werden."

Die Schüler haben auch zu Hause eine Woche lang Plastik-Tagebücher geführt und mit erstaunen festgestellt, wie viel Plastikmüll man selber produziert. "Ich denke, dass dieses Projekt den Schülern einiges gebracht hat", so Mirete-Mumm. Die Ergebnisse der Celler Nachwuchs-Forscher fließen in eine digitale Deutschlandkarte ein, die im Internet einsehbar ist: https://www.wissenschaftsjahr.de/2016-17/mitmachen/junge-wissenschaftsinteressierte/plastikpiraten.html. Eines sei den „Plastikpiraten“ auf jeden Fall klar geworden, so Mirete-Mumm: "Das Meer beginnt auch hier in Celle."