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Celle Stadt Aufstand der Celler Tagesmütter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Aufstand der Celler Tagesmütter
21:26 30.03.2015
Von Gunther Meinrenken
Der Job einer Tagesmutter ist anspruchsvoll. In Celle fühlen sich die Tagespflegekräfte mit ihrer Arbeit nicht ernst genug genommen. Quelle: Julian Stratenschulte
Celle Stadt

"Wir haben eine zusätzliche Qualifikation erworben. Wir besuchen regelmäßig Fortbildungen in unserer Freizeit. Wir schreiben Konzepte zu unserer Arbeit. Wir führen Portfoliomappen für unsere Tageskinder. Wir erfüllen damit alle Forderungen der Stadt Celle und des Landes, erhalten aber im landes- und bundesweiten Vergleich eine geringe Förderleistung." Mit diesen Worten haben sich nun die Tagesmütter in Celle zusammengeschlossen und sich an die Stadt und die Politik gewandt. Die etwa 15 Betreuungskräfte fordern die faktische Gleichstellung mit den Kindertagesstätten. So wie es im Gesetz vorgesehen ist.

Etwa 100 Betreuungsplätze bieten die Tagesmütter insgesamt in Celle an. 5 Euro kostet in der Regel eine Betreuungsstunde, etwa 3,90 Euro davon übernimmt die Stadt, den Rest zahlen die Eltern. Die Tagesmütter sehen sich selbst als "klare Alternative zum Krippen- und Kitabetrieb", vor allem für die Eltern, deren Kinder in den großen Gruppen einer Kindertagesstätte überfordert seien. Doch die öffentliche Wahrnehmung sei oft eine andere. "Wir lassen uns nicht länger als Notnagel behandeln", fordern die Tagesmütter. Und dies gelte vor allem bei der Bezahlung.

Das größte Problem: Das Einkommen einer Tagesmutter ist nur schwer zu kalkulieren. Wenn Eltern in den Urlaub fahren oder die Kinder krank werden, bekommen die Betreuungskräfte in der Tagespflege kein Geld. Anders als in Kindergärten und Krippen, wo die Eltern über das Jahr ihre Monatsbeiträge entrichten, egal, ob das Kind krank ist oder nicht. Und kurzfristig haben die Tagesmütter keine Gelegenheit, andere Kinder aufzunehmen. Hauptforderung daher: "Wir wollen eine leistungsgerechte Vergütung."

Das bezieht sich zum einen auf eine "Fortzahlung der Geldleistung" auch bei Ausfallzeiten der Kinder. Gleichfalls fordern die Tagesmütter eine Anpassung der Pauschalbeträge und mehr Geld für die Nachtbetreuung. Zwischen 22 und 5 Uhr bekommen die Tagespflegekräfte nämlich nur einen Euro statt fünf. "Doch viele Kinder gerade unter drei Jahren schlafen nachts noch nicht durch. Die geringe Bezahlung dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass eine Nachtbetreuung in Celle kaum angeboten wird", heißt es in dem Forderungskatalog an die Stadt.

Des Weiteren wollen die Tagesmütter eine Höherstufung ihres Verdienstes nach Qualifizierungskursen und einen Ausfall, während sie einen solchen Kurs besuchen. Außerdem wünschen sie eine Anhebung ihres Urlaubs von 20 auf 30 Tagen. Die Tagesmütter fordern ferner eine Vertretungsregelung bei Ausfall einer Tagespflegekraft ein, für die die Stadt verantwortlich sei. Bis heute gebe es keine, obwohl dies vom Gesetzgeber seit August vergangenen Jahres verlangt werde.

"Die Stadt hat uns zugesagt, unseren Forderungskatalog eingehend zu prüfen", so die Tagesmütter. Das Thema soll bei der kommenden Sitzung des Jugendhilfeausschusses Anfang Juli behandelt werden. "Zum Beginn des kommenden Kita-Jahres im August könnten die notwendigen Änderungen also noch auf den Weg gebracht werden", hoffen die Tagesmütter.