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Celle Stadt Aus dialogischem Musizieren im Celler Sophien-Stift Funken geschlagen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Aus dialogischem Musizieren im Celler Sophien-Stift Funken geschlagen
13:46 10.11.2014
Gabriel Uhde (Viola) und Michael Uhde (Klavier) bei ihrem Konzert im Sophien-Stift. Quelle: Benjamin Westhoff
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Michael Uhde, Professor an der Musikhochschule Karlsruhe, hatte zwei Partituren mitgebracht, die verdeutlichten, wie flexibel dort die Trennlinie zwischen Unterhaltungs- und ernster Musik verläuft: Bei den „Tres Valsas Brasileiras“ von Francisco Mignone wurden populäre Tänze ebenso bruchlos in ernste Musik eingebunden wie der folkloristisch-rhythmische Elan bei Camargo Guarnieris musikalischer Naturbeschreibung „Canção Sertaneja“. Jede Phrase war sinnerfüllt, öffnete oder schloss einen musikalischen Bogen. Disziplin und Freiheit, tänzerische Rhythmik und improvisatorischer Gestus fanden wie von selbst ins Gleichgewicht.

Eröffnet wurde der Konzertabend zunächst mit dem Allegro aus Franz Anton Hoffmeisters D-Dur-Violakonzert, wobei die Interpreten mit der gelungenen Verschmelzung von Melancholie und Lyrik auf der einen und der Dynamik auf der anderen Seite bereits deutlich machten, wie man gleichermaßen modern, unsentimental und dennoch berührend Musik machen kann. Und auch beim nachfolgenden „Allegro amabile“ aus Johannes Brahms’ A-Dur-Sonate op. 100 wussten sie in ihrer natürlich-schwerelosen Interpretation Sinn und Sinnlichkeit harmonisch zu vereinen.

Den krönenden Abschluss des Konzertes bildete Franz Schuberts Arpeggione-Sonate. Lustvoll nutzte das Duo jede Gelegenheit, in der scheinbar schwerelosen Melodienseligkeit des subtilen Gesangs aus dialogischem Musizieren Funken zu schlagen.

Der Celloton war voller emotionaler Schwebstoffe. Mit Grazie und Selbstbewusstsein führte Gabriel Uhde den Bogen. Und Michael Uhde wusste in der Begleiterfunktion den ganzen Zauber des zartbiedermeierlich-innigen Klavierparts adäquat zu entfalten.

Von Rolf-Dieter Diehl