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Celle Stadt "Außer unserer Angst" am Sonntag in Celle zu sehen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Außer unserer Angst" am Sonntag in Celle zu sehen
18:47 01.06.2016
Celle Stadt

„Die Mauern haben sich bewegt, Sie sind auf uns zugerast“, das ist die erste Analyse nach dem Ober-Crash – Explosion oder Unfall? Nachdem die sechs jungen Leute aus ihrer Ohnmacht wieder aufwachen, hat sich ihre Welt verschoben. Oder ist sie nur enger geworden? Denn plötzlich gibt es da Grenzen, unsichtbare, aber sehr anfassbare Mauern, die sie einschließen, gefangen halten: Mauerland.

Schnell entwickeln sich starke Hierarchien, Feindschaften und Seilschaften innerhalb der so fixierten Gruppe – je nach Persönlichkeit und Charakter. Die erzwungene Enge macht Ausweichen kaum möglich. Bleibt nur die Konfrontation, mit den anderen und mit sich selbst.

Während sich zwischen Aggression und Hilflosigkeit das Gefühl von Ausweglosigkeit breit macht, finden die spielerischen Pendants zu den Festsitzenden – eine Art Spiegel-Ich zu jedem „da drin“ – ganz locker den Weg hinaus und hinein, zumindest über die äußeren Mauern hinweg. Sie haben ihre Träume, ihre Zuversicht, ihre Perspektiven, die ihnen Flügel verleihen: Die „Mauersegler“ kommen und gehen – und sie wollen helfen. Aber die Angst ist stark im Mauerland. Die Angst vor Unterdrückung und Gewalt, die Angst, nicht für voll genommen zu werden, vor Verletzung, vor Schwäche, vor allem Unbekannten. Wie können da Mut und Zuversicht entstehen? Besser, die Fäuste entscheiden zu lassen, als das Herz – das rät die Erfahrung … ein guter Ratgeber? …

Ohne Licht am Horizont zu sehen, führt man ein „Hundeleben“ im Düsteren. Vielleicht haben die zwölf Mitspieler (im Alter zwischen 12 und 20) und das Team der Clubleitung, Aline Bosselmann (Regisseurin und Leiterin des Jungen Theaters), Rasmus Max Wirth (Schauspieler), Petra Jenni (Dramaturgie) sowie Liliane Bauer (Assistenz), deshalb jedem Menschen und Spiegelmenschen im Stück Hundenamen und hündische Charaktereigenschaften zugewiesen. Zumindest machen die Assoziationen vom Mischlingsbastard, dem Angstbeißer, dem Kläffer und dem fast schon devoten Schoßhündchen die Fülle verborgener Gefühle und Ängste noch plastischer – ein geschickter Kniff, und nicht der einzige, der zu einer wirklich außergewöhnlich guten Projektarbeit und zu dem hervorragenden Ergebnis geführt hat.

Wirkliche Hauptdarsteller sind nicht aufgestellt, wenn auch einige Figuren und Charaktere im Stück richtungsweisend und dominanter besetzt sind. So erscheint es unfair, einzelne Spieler herauszupicken – war doch vor allem das Zusammenspiel der Gruppe für die so starke Präsenz und Dichte des Stücks und der Konzeption entscheidend. Deshalb hier nur die Liste der Akteure: Lorenz Gonsior und Miles Hentschel, Viviane Sawicki und Julena Klotz, Evin Acar und Zoe Krüger, Vanessa Vanesyan und Salma El Amarti, Joshua Taylor und Rebekka Krohn sowie Davina Ziesmann und Elise Bracher.

Von Doris Hennies