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Celle Stadt Ausstellung „Die Juden im Sturm der Zeit“ in der Celler Synagoge
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung „Die Juden im Sturm der Zeit“ in der Celler Synagoge
16:09 24.06.2016
Celle Stadt

Konzipiert von der Vereinigung „L’Association culturelle du Plateau“, basiert die Ausstellung auf Silvains jüngstem Buch „1914–1918: les juifs dans la tourmente: à travers la carte postale“. In chronologischer Reihenfolge werden 150 reproduzierte Postkarten aus Frankreich, Österreich-Ungarn, Russland und dem Osmanischen Reich gezeigt.

Rund 30.000 Postkarten zur jüdischen Geschichte habe Silvain zusammengetragen, wohl eine der größten überhaupt. „Er hat schon früh neben dem kulturhistorischen Wert die soziokulturelle Bedeutung dieses Bildmediums erkannt, das in der Lage ist, gesellschaftlichen Wandel, Modeerscheinungen und Aktualitätsbezüge weiterzutragen wie scheinbar Zeitloses“, sagte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und überbrachte den Gästen Grußworte des stellvertretenden Bürgermeisters von Meudon, Georges Koch.

Silvain formulierte sein Ausstellungsziel auf Deutsch: „Während die Geschichte der Juden zwischen 1933 bis 1945 nach wie vor Gegenstand zahlreicher Analysen, Kommentare und Entwicklungen ist, hat der Zeitraum des ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik nur wenige Historiker, Soziologen und Spezialisten inspiriert, sich mit ihm zu befassen. Mein Buch ‚Juden im Sturm der Zeit’ sowie die Bildauswahl für die Ausstellung ist ein Versuch, diese Lücke etwas zu füllen. Zudem sei seine Familiengeschichte untrennbar mit Deutschland verknüpft, in schöner wie in trauriger Art. Levy betonte, von Monika Wille übersetzt, den Seltenheitswert der Postkarten mit überraschenden Motiven und als Vorboten eines neuen furchtbaren Krieges. „Die Postkarten sind eine wahre Fundgrube an Informationen über die Welt der Juden aus der Zeit und zeigen Aspekte des Ersten Weltkriegs, die in den Geschichtsbüchern kaum Beachtung finden.“ Lucien sieht in den Postkarten „kein geschichtliches Werk“, sondern „eine Reflexion des Krieges“, Zeitzeugen, dank derer „wir uns gemeinsam dieser schrecklichen Konfrontation erinnern.“ Die Ausstellung sei ein „bescheidener Anteil an einem ‚Nie wieder’.“

Von Aneka Schult