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Celle Stadt Ausstellung „John Elsas. Der Gespenster Berg“ in Celler Synagoge
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung „John Elsas. Der Gespenster Berg“ in Celler Synagoge
22:08 06.08.2010
Ausstellung "John Elsas. Der Gespensterberg" in Synagoge - Collage von John Elsas mit Knittelvers Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

Es ist die erste Ausstellung in der Celler Synagoge nach der Sommerpause: „John Elsas. Der Gespenster Berg. Collagen & Aquarelle“, die am Donnerstag auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Jüdischen Gemeinde Celle eröffnet wurde.

Es ist das Verdienst von Dr. Dorothee Hoppe aus Freiburg, 2004 aus einem Konvolut von rund 25000 Blättern eine Auswahl getroffen und so einen Querschnitt durch das Werk Elsas’ zusammengestellt zu haben. Sabine Maehnert vom Celler Stadtarchiv sprach mit Blick auf die Wanderausstellung von „Bildern eines hellwachen Senioren, der 82 Jahre alt war, als Hitler an die Macht kam“. Auch wenn Elsas, der 1851 als Jonas Mayer Elsaß, Sohn eines jüdischen Gewerbetreibenden in Frankfurt am Main geboren wurde, nach 1932 keine Ausstellung mehr machte, spürt man die Klar- und Weitsicht, die er auf seine Zeit und das kommende Grauen hatte.

Er, der den Beruf des Börsenmaklers oder Commissionärs ausübte, wählte in den zwanziger Jahren, im hohen Alter, die Kunst, um seinen Enkeln Bilder mit humanem Ansinnen, ironische, lebensweise Knittelverse mit auf den Weg zu geben. Bald avancierte Elsas zum Künstler, der um seine Popularität wusste und nicht nur in der Berliner Galerie „Der Sturm“, sondern auch in München, Zürich und Basel ausstellte. 1935 starb er fast 84-Jährig und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Frankfurt begraben. Nach seinem Tod verpackte seine Tochter Irma die hinterlassenen Bilder in zwei Kisten und adressierte sie an ihre in der Schweiz lebende Schwester Fanny Raff. Sie selbst wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und kam dort 1944 um. Erst 1954 gelangten die Kisten in die Schweiz und blieben dort jahrelang ungeöffnet. Ein Enkel von Elsas schenkte das Vermächtnis kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 dem Museum im Lagerhaus (Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut) in St. Gallen. Seither mehren Ausstellungen deutschlandweit Elsas’ Bekanntheitsgrad.

Die Collage war die von Elsas hauptsächlich verwendete Technik. Aus einem Vorrat an Glanz- und Geschenkpapieren, Buchbinderkarton und Stoffen schnitt und klebte er Figuren, applizierte sogar echte Haare. Aus Federstrichen fügte er Arme und Beine, mittels Punkten zum Schluss die Mimik hinzu.

Die Aquarelle zeigen Tiere und Phantasiewesen. Der Pinselschwung bot Elsas weitere Ausdrucksmöglichkeiten: Aussagen sind weniger pointiert, mehr spielerisch. Dennoch steht im Zentrum der meisten Bildergeschichten der Mensch. Klar beziehen sie Stellung zu Juden-, Arier- und Mitläufertum, zur Rolle der Kunst oder zur Beziehung Frau-Mann. So schrieb Elsas am 20.8.1931: „Ich trage eine Nordwoll Hos’, die Liebe zu Hitler bei mir ist gross.“ „Es ist in unserer Welt so Sitt’, wir spielen alle Theater mit.“ (21.5.1931)

Öffnungszeiten: Bis 19. September in der Synagoge, Im Kreise 24, dienstags bis donnerstags 10 bis 17 Uhr, freitags 9 bis 16 Uhr und sonntags 10 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult