Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Ausstellung „Küsten und Menschen“ von Lars Möller in Galerie Halbach
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung „Küsten und Menschen“ von Lars Möller in Galerie Halbach
13:46 12.11.2010
Künstler Lars Möller vor seinem großformatigen Gemälde „Strand, bewölkt“. Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

Grau in allen Farben schwappt das Meer in den Raum, stößt nur an die Grenzen, die die Leinwand vorgibt. Die wulstigen Farbmassen wogen in ebensolchen Schwüngen über das Bild. Mächtig, bedrohlich und unendlich wahr. Es geht um „die Kostbarkeit des Moments aber auch die Furcht, ihn gleich wieder zu verlieren“, liest man im Katalog des Künstlers Lars Möller, der in der Celler Galerie Halbach ausstellt.

Als Mitglied der „Norddeutschen Realisten“, gegründet von Nikolaus Störtebecker, zu denen auch der 2009 in der Celler Galerie gezeigte Till Warwas gehört, malt Möller im Freien, plein air, im Gegensatz zum Atelier.

Nicht nur huckt der Künstler sein Malequipment umher, er muss sich auch den stets verändernden Licht- und Wetterbedingungen aussetzten – eine Form von Leidensdruck. Vielleicht überträgt sich dieser auf die „Küsten und Menschen“, die Synthesen aus erlebter Natur und innerem Bild. Oft starre Möller, der 1968 in Hamburg geboren wurde und im Fachbereich Gestaltung der FH Hamburg bei Professor Erhard Göttlicher Malerei und Design studierte, acht Stunden auf ein und dasselbe Motiv. Was sich vor seinen Augen vollziehe, sei eine Collage permanenter Veränderung, was er aber male eine verdichtete Welt, das Resultat einer durchlebten Abstraktion, eine Entscheidung. Verständlich, dass sich bei dem intimen Miteinander von malendem Subjekt und gemaltem Objekt beinahe eine Liebesbeziehung einstellt. „Die norddeutsche Landschaft wird zum Aktmodell. Sonst spröde und zurückhaltend, liebt sie es, sich von diesem Künstler malen zu lassen, streift alle Attitüden ab und zeigt sich“, steht im Katalog und meint die Licht beschienene Abbruchkante ebenso wie Wolken, Himmel, Gräser, Steine. Romantik hieß die Epoche, die es vermochte, Menschen mit Liebe und Sehnsucht zu erfüllen. Sie strebte nach dem Unendlichen, nach Synergie, Verschmelzung von Sinneswahrnehmungen und Erkenntnisebenen. Man muss nicht Caspar David Friedrich nennen, um zu ahnen, was der Mann, der in die Weite schaut, für Mächte erkennt. Doch ist es nicht diese idealisierte Natur, die Möller oft in Großformaten beschreibt. „Ich bin ein romantischer Realist“, sagt er. Und so sind seine Landschaften ehrlich herb. Was Möller, der das Universitätsstudium mied, weil er das dort fehlende Handwerk, besonders Aktmalerei vermisste, mit der Romantik verbindet, ist die Suche nach dem Geheimnis. Auch im Akt. In extremen Anschnitten, Verkürzungen oder in Untersicht lässt er Frauen- wie Männerkörper selbstbewusst emporwachsen, zeigt Fett wie Falten und pastos intime Zooms. „Ich habe Lucian Freud wie ein Irrer in mich reingefressen“, so Möller, der technisch sicher Mysterium und Wucht aus den Natur-Stills spült, an denen vereinzelt noch Sand und Fliegen kleben.

●Öffnungszeiten: Bis 31. Dezember in der Galerie Halbach am Großen Plan 14, montags 11 bis 18.30 Uhr, dienstags bis freitags 10 bis 18.30, sonnabends 10 bis 16 Uhr.

Von Aneka Schult