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Celle Stadt Ausstellung „Stille Wasser“ in Celler Galerie Halbach eröffnet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung „Stille Wasser“ in Celler Galerie Halbach eröffnet
12:16 19.09.2017
In der Celler Galerie Halbach wurde Christine Reinckens Ausstellung „Stille Wasser“ eröffnet. Hier die Künstlerin vor ihrem Werk „Flow“. Quelle: Oliver Knoblich
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Es fließt, umschließt, umschmeichelt – verhüllt, betont und gibt frei … ob Wasser oder seidiger Stoff, Mensch und Materie gehen eine Beziehung ein, eine fast symbiotische, denn der eine formt das andere, nimmt Konturen auf und ab, zeichnet nach. Die Menschen auf Christine Reinckens Bilder tauchen ein, ziehen ihre Bahnen, planschen, spielen, genießen das Medium Wasser. Und das Wasser umhüllt, nimmt auf, spiegelt und bricht sich an der Person. Es entsteht eine natürliche Beziehung, daraus entsteht Emotion – mal Genuss, mal noch ein zögerliches Annähern und Frösteln, mal ein sich ganz hineingeben.

Auf einigen Bildern ist es Wasser, auf anderen Stoff, der vor allem Frauenkörper umspielt, bedeckt einhüllt – Formen betont und versteckt, Falten wirft oder Wellen schlägt. „Ich fand Wasser schon immer faszinierend“ bekennt die Malerin im Interview mit Marie-Luise Halbach zu Einstimmung bei der Vernissage. „Es umgibt, lässt aber auch zu und bleibt doch immer es selbst. Ähnlich verhält es sich mit fließendem Stoff. Auch der nimmt Konturen an und gibt dann aber auch neue Formen ganz eigen wieder.“

Dieser stoffliche Dialog ist aber nur ein Aspekt in Reinckens Bildern. Die Porträtmalerin zeigt in all ihren Wer-ken ihr exzellentes Beobachtungs- und Wiedergabetalent. Wirken gerade ihre Wasser- und Stoffbilder fast foto-realistisch, verlässt sie bei anderen diese „Akkuratesse“, werden Pinselstriche grober, Farben intensiver, Kontraste schärfer – ein Spiel mit Licht und Schatten – und es entstehen expressionistische Aktbilder, Körperstudien, Momentaufnahmen vom Mensch mit sich selbst oder anderen. Dann gibt es noch die Gruppenbilder: Aufgereiht ergibt sich ein interaktives oder ausgerichtetes menschliches „Sammelsurium“, bei dem kein Einzelteil unwichtig ist. Erst das „zusammen“ gibt Aussage und Wirkung – auch mal mit ungewöhnlicher Perspektive auf Füße und Schuhe – aufgestellt und abwartend – worauf?

„Es gibt für alle Bilder ein Konzept“, verrät die Künstlerin. Sie sei keine Freiluftmalerin, dort entstünden allenfalls ihre ersten Skizzen (scheinbar hingeworfene Tuschezeichnungen die mit gekonnten Strichen das Wesentliche festhalten). Aus diesen „Merkzetteln“ wird im Atelier kreiert und konstruiert aus einer Idee wird ein Werk. Darauf erhalten Personen ihren Platz in einer mal nur leicht, mal stark abstrahierte Umgebung und Welt.

Von Doris Hennies