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Celle Stadt Ausstellung im Celler Atelier 22: Afrikanische Wurzeln als Basis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung im Celler Atelier 22: Afrikanische Wurzeln als Basis
21:10 20.08.2017
Künstler Tôkpéou Gbaguidi mit seinem Werk „L‘équilibre“ bei der Vernissage im Celler Atelier 22 (großes Foto) und inmitten seiner Installation zum Thema Flüchtlinge: „Den Tränen, die vergossen sind“. Quelle: Oliver Knoblich (2)
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Sieben Bilder, sieben Skulpturen und eine Installation erwarten den Betrachter. Es sind Werke, die vor allem in ihrer Farbigkeit und Ornamentik gleich den Bezug zu Afrikanischer Kunst herstellen – ebenso wie die geschnitzten Köpfe, die sich sowohl an den in die stofflichen Leinwänden eingearbeiteten Holzstöcken wie auch an den Objekten wiederfinden.

Alles erfährt eine Umwandlung, Verwandlung – mit einem Anklang mystischer Bedeutung. Es ist ein Transfer hin zum kreativen, künstlerischen Pool, aus dem jeder Künstler schöpft, eine Suche nach Einheit und Gemeinsamkeit – ein Brückenschlag, ebenso wie ein Hinweis auf Probleme, die nicht nur ein Volk, ein Land, sondern die gesamte Menschheit betreffen und angehen.

Die sphärische, weltkulturliche Musik von Martina und Peter Missler zur Eröffnung unterstrich diesen metamorphischen Ansatz.

Gbaguidi nutzt Materialien aus dem alltäglichen Gebrauch – Holz, Schnur, Draht, Metallteile – so entsteht aus Recycling Upcycling. Es ist etwas Neues, das aus dem Alten, Traditionellen, Ursprünglichen erwächst. Tradition verbindet sich mit Expression, will weiter, freier in die Welt mit einer Vision: Gegenseitiges Verständnis und Toleranz. „Ich bin Weltkünstler“ sagt Tôkpéou Gbaguidi von sich, und „meine Reflektionen beziehen sich auf die mich betreffende Umwelt“. Seine Installation im Zentrum der Ausstellung hat er „Den Tränen, die vergossen werden“ genannt. Sie ist den Hunderttausenden von Flüchtlingen gewidmet: Sie fliehen vor Gewalt und Hunger, tragen Angst und Hoffnung gleichermaßen, sind angewiesen auf ein Auf- ein Angenommen-Werden – egal wo auf der Welt es geschieht. Vor einer blutroten Leinwand sammelt sich der Strom von „Flaschenmenschen“ – jeder individuell und doch gleich in einer Menge – und bewegt sich einer unbekannten Zukunft entgegen.

Objekte, Masken, Skulpturen, allem haftet beinahe etwas Rituelles an: Zeichen, Symbole, verschlüsselte Hinweise. Die Titel der Arbeiten des in Begin geborenen Künstlers weisen dagegen auf sehr persönliche Gedanken hin „Der Zyklus des Menschseins“ fängt mit den ersten, eigenen Fußspuren, der eigenen Familie an. Auch hier verbindet sich das Einzelne, Individuelle mit dem Größeren, einer allgemeineren Bedeutung. „Es gibt viele Fische im Wasser“ zitiert Gbaguidi auf seiner Einladung ein afrikanisches Sprichwort, und bekräftigt, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen.

Von Doris Hennies