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Celle Stadt Ausstellung im Celler Kanzlei-Café: Ernst Schulzes Gedichte mit bildnerischen Mitteln interpretiert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung im Celler Kanzlei-Café: Ernst Schulzes Gedichte mit bildnerischen Mitteln interpretiert
18:33 15.06.2017
Celle Stadt

Ernst Schulze wählte das Studium der Alten Sprachen und schulte sich an großen Vorbildern von Homer bis Wieland. Seine große Liebe Cecilie, die er 1811 kennenlernte, starb ein Jahr später im Alter von nur 17 Jahren. Unerfüllte Liebe und die Nähe des Todes blieben fortan Schulzes ureigenstes Thema. Sein Versepos „Die bezauberte Rose“, in dem er mit Versen wie „So ruht auch jetzt schon unter kühlem Mose, die freundlich mir die kurze Lust verlieh’n“ seiner Cecilie gedachte, wurde später ein Bestseller.

Ellermann, ausgebildete Realschullehrerin und Diplompädagogin, die sich auch als Kinderbuch-Illustratorin einen Namen gemacht hat, hat quasi nachempfunden, was in Schulze vorgegangen sein mag, als er neben der Liebe und dem Tod in sarkastisch-ironischer Sprache auch das Los der Soldaten thematisierte. Beispielsweise verglich er das „in wildem Schlachtgetümmel“ geborene Gedicht „Am 8ten Februar 1815“ mit seinem Herzen, „das trüb‘ und freudig, sanft und wild im engen Raume Lust und Schmerzen und Kampf und Liebe stets umhüllt“. Ein Gedicht, das Ellermann mit der Darstellung eines Soldaten interpretiert, der genau in diesem Moment vom lebenshungrigen jungen Mann zum tödlich getroffenen Gefallenen wird. Ihre vornehmlich aus strukturiert aufgetragenen Pastellfarben geformte Bildsprache fordert den Betrachter dazu auf, Schulzes Texte dazu zu lesen. Es ist beeindruckend, wie trefflich Ellermanns Bildaussagen Schulzes Gedanken aufgreifen und so zu buchstäblich textuntermalenden Illustrationen werden.

Von Rolf-Dieter Diehl