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Celle Stadt Ausstellung zeigt Zyklus „Erinnerungen“ von Klaus Frerichs im Celler KanzleiCafé
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung zeigt Zyklus „Erinnerungen“ von Klaus Frerichs im Celler KanzleiCafé
17:13 03.02.2015
Die Ausstellung „Erinnerungen“ von Klaus Frerichs ist im Celler - KanzleiCafé - zu sehen. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Auf allen Bildern sieht man eine rote Backsteinmauer, eineinhalb Fenster, Bilder, Boden, Sandkasten und das alles vor einem dunklen Himmel. Gleichsam Pinnwänden mit montagemäßig angehafteten persönlichen wie gesellschaftsrelevanten Bruchstücken veranlassen die Gemälde einen Dialog mit dem Betrachter. Zudem zeigt jedes Bild ein Porträt des 1953 in Emden/Ostfriesland geborenen Künstlers in fünf Altersstufen, beginnend mit „Herkunft“ und endend mit „Reminiszenzen“, der Beschäftigung mit Zeitgeschichte. Wichtig ist Frerichs, Gymnasiallehrer und Maler, das politische Element in der Kunst. Um seine Botschaften fassen zu können, zitiert er gern altmeisterliche Machart und Akribie herbei. Seine Werke sind die sichtbare Form menschlicher Facetten, innerer wie äußerer, mit viel Zettelwerk und Zitaten. Diese, entlehnt aus Kunstgeschichte, Philosophie oder Literatur bilden den gesamt-gesellschaftlichen Leitfaden durch ein auch persönlich reiches Gedankengerüst.

Mit dem Gemälde „Mein Fenster des Franz Radziwill“ unterstreicht Frerichs noch die Ausrichtung seiner menschlichen wie politischen Haltung, die ewige Beäugung des Innen und Außen, das auch durch das Fenstermotiv des Dangaster Malers bricht. Unverzichtbar erscheint Frerichs dabei das Wort. Für Wiedenroth bildeten die Zitate und Motive der Bilder den Schlüssel zu einer eigenen Welt aus Bezügen und Gedichten. So trug er das Gedicht „Der Blinde an der Mauer“ von Kästner ebenso wie Gumppenbergs Verse „Das Fenster“ vor, um eine Grundstruktur der Bildwerke zu erfassen. Mit einem Auszug aus Walsers „Ein springender Brunnen“ tauchte er hinter dem Hintergründigen hinab in die Tiefe. Auch Ohnesorg und Brecht, der 90. Psalm oder ein Absatz des „Siebenkäs“ trugen den Hörer immer weiter hinfort, ähnlich Fußnoten bei Jean Paul. Erst diese Bruchstücke aber machen persönliche und allgemeine Geschichte aus.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis zum 8. April im KanzleiCafé, Kanzleistraße 6, dienstags bis sonnabends 9 bis 18 Uhr.

Von Aneka Schult