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Celle Stadt Ausverkauf in Celler Schuhstraße
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausverkauf in Celler Schuhstraße
17:51 06.04.2016
Celle Stadt

Joachim Hasselbach will bis August alles aus seinem Geschäft in der Schuhstraße heraus haben. Noch sind die 200 Quadratmeter "proppenvoll", wie er selbst sagt. Mit 65 Jahren wolle er in den Ruhestand gehen. Er habe keinen Spaß mehr am Verkaufen, zu viele kleine inhabergeführte Geschäfte hätten dicht gemacht. "Die Innenstadt ist total uninteressant geworden", findet Hasselbach. Die Stadt habe es verpasst, mit ihrem Konzept Akzente zu setzen. Die vielen Filialisten und Drogeriemärkte verkauften alle nur dasselbe. "Dafür kommt keiner mehr nach Celle", ist sich Hasselbach sicher.

Da, wo im Januar der "Deichelch" auszog, entsteht jetzt ein Nagelstudio. An der Ecke Zum Markt hat im Dezember der Herrensalon "Infinity" geöffnet. Nach einem verhaltenen Start ist Salem Damlakhi nun guter Dinge: "Wenn man von der Hehlentorstraße in die Innenstadt fährt, hat man den Salon gut im Blick", sagt er, der auf Laufkundschaft setzt, denn die Männer müssen sich nicht bei ihm anmelden. Erfahrungen hat er mit zwei Frisörgeschäften in Bergen gesammelt.

Während sich die Interessengemeinschaft Schuhstraße auf CZ-Anfrage nicht zur Entwicklung der Geschäfte und laufenden Projekten äußern will, betrachtet man die Schuhstraße im Celler Rathaus "mit einer gewissen Sorge", wie Sprecher Wolfgang Fischer betont. Zwar sei positiv, dass die Zahl der Leerstände in der Innenstadt über die letzten Jahre "relativ stabil geblieben und nicht weiter angestiegen" sei. "Wir stellen fest, dass sich auch durch unsere Bemühungen andere Bereiche wie die Bergstraße und die Mauernstraße langsam aber kontinuierlich ein wenig erholen", erläutert er und ergänzt: "Die Einkaufslagen verschieben sich." Eines bleibe zu bedenken: Egal, wie sehr eine City prosperiere und egal, wie viele Leerstände oder attraktive Neuansiedlungen es gebe: "Es wird in jeder Stadt immer eine 'Schuhstraße' geben", so Fischer. Der Rand der Einkaufslagen habe weniger „Hinterland“. "Die Kundenströme und -wege laufen in der Regel nicht dort entlang."

Im Vergleich zu Städten ähnlicher Größe steht Celle laut Fischer gar nicht so schlecht da: "Alle diese mittelgroßen Städte haben landauf-landab zu kämpfen mit Online-Handel, gesteigerter Mobilität und Angeboten an der Peripherie." Die Wirtschaftsförderung der Stadt spreche permanent mit potenziellen Investoren und Betreibern. Diese orientierten sich aber naturgemäß an der zu erwartenden Rendite.

Die Parameter der Zielgruppen und notwendigen Ladenflächen könne die Stadt nur partiell beeinflussen, so Fischer. "Sie kann aber Anreize schaffen, dass zum Beispiel die benötigten Flächen entstehen. Da setzt die Sanierung ein. Die Häuser müssen ertüchtigt werden, was sich in der Regel nur Liebhaber mit viel Idealismus leisten können oder wollen." Hier biete die Städtebauförderung inzwischen erhebliche Anreize für den Mehraufwand. Die Stadt helfe dabei, Kompromisse zu finden. "Für einzelne Objekte in der Schuhstraße deuten sich zudem Lösungen an", versichert Fischer.

Von Dagny Rößler