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Celle Stadt Auszeichnung für Redakteur der Celleschen Zeitung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Auszeichnung für Redakteur der Celleschen Zeitung
18:10 19.06.2017
Von Dagny Siebke
Lob für gute journalistische Arbeit: Michael Ende (links) und Berthold Hamelmann bei der Dahrendorf-Preis-Gala im Freiburger Konzerthaus. Quelle: Michael Bamberger
Celle Stadt

In seiner Laudatio betonte Berthold Hamelmann, stellvertretender Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass es in den CZ-Storys rund um den mysteriösen Deal durchaus ans Eingemachte gegangen sei. Schließlich könnten die Celler darauf vertrauen, dass Verwaltung und Stadtrat natürlich nur das Beste für sie im Sinn hätten: „Sollte man meinen. Denn die irritierende Geschichte, die die Cellesche Zeitung 2016 aufdeckt, ist weit davon entfernt, eigentlich selbstverständliches Grundvertrauen in die Lenker von Lokalpolitik zu rechtfertigen. Bewahrheitet hat sich – das belegt der Fall eindeutig – einmal mehr die Redensart: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser.“

Binnen einer Woche habe die Berichterstattung der CZ die „Luftnummer“ platzen lassen, so Hamelmann: „Ende gut, alles gut? Einen finanziellen Schaden müssen die Stadt Celle und damit auch ihre Bürger nicht beklagen. Dank der Arbeit eines gut vernetzten Lokalredakteurs, der detailreich und pointiert berichtet hat. Das Herstellen der Öffentlichkeit, die plötzliche Transparenz, beeinflusste die Politik zum Wohl der Allgemeinheit.“ Medien hätten nun einmal die Aufgabe und den Auftrag, Öffentlichkeit zu informieren und Entscheidungsträgern die öffentliche Meinung kundzutun, so der Laudator: „Durch Kontrolle und Kritik in Städten und Gemeinden wirken insbesondere Lokalzeitungen an der Meinungsbildung mit. Nicht umsonst garantiert Artikel 5 unseres Grundgesetzes die Meinungs- und Informationsfreiheit.“ Die CZ habe ihre Aufgabe erfüllt.

Mit der Auszeichnung im Rahmen des Dahrendorf-Preises, mit dem Beiträge gewürdigt werden, „die in vorbildlicher Art die Funktionsweise der Demokratie auf lokaler Ebene transparent machen“, befinden sich Ende und die CZ in guter Gesellschaft. Geehrt wurden außerdem Redakteure des Kölner Stadtanzeigers, die beispielhaft über die Vorgänge in der Silvesternacht 2015/2016 berichtet hatten, ein Redakteur der Rhein-Zeitung, der akribisch über ein System von Steuerhinterziehung in Millionenhöhe berichtet hatte, sowie als Sieger Marc Rath von der Magdeburger Volksstimme. Er hatte einen dreisten Skandal bei der Kommunalwahl in Stendal aufgedeckt, der landesweit Kreise zieht.

Handwerkliches Können und Solidität seien die Grundvoraussetzung im Kampf um das wichtigste Pfund im Journalismus: die Glaubwürdigkeit. Die, das sagte Thomas Fricker, Chefredakteur der Badischen Zeitung, dürfe „nicht immer hemmungsloser der Geschwindigkeit geopfert“ werden: „Im Kern geht es darum, durch das Heranschaffen und Aufbereiten von Informationen Bürger zu befähigen, mündige Mitglieder einer Gesellschaft zu sein und das Gemeinwesen, auf welcher Ebene auch immer, demokratisch mitzugestalten. Das klingt pathetisch – und soll es übrigens auch, denn auf diese Aufgabe dürfen wir Journalisten und auch die Verleger ruhig stolz sein; ich bin‘s jedenfalls.“

Stolz ist auch CZ-Verlegerin Friederike Pfingsten. Sie sagte: "Wo Dinge nicht zusammenpassen, horchen unsere erfahrenen Redakteure auf. Ich freue mich, dass durch Herrn Endes Recherche potentieller Schaden verhindert wurde und dass seine journalistische Leistung die Anerkennung der Jury gefunden hat. Das zeigt wieder einmal, wie wichtig Lokaljournalismus für eine Stadt wie Celle ist."