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Celle Stadt Auszubildende aus Tjumen lernen Celle kennen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Auszubildende aus Tjumen lernen Celle kennen
18:37 23.05.2014
Inhaberin Susanne Ostler erläutert - Auszubildenden und ihren Betreuern aus Celles Partnerstadt Tjumen die Küche - des Ringhotels „Celler Tor“ in Groß Hehlen. Quelle: Martina Hancke (3)
Celle Stadt

„Celle ist wirklich eine schöne Stadt, und alle waren sehr nett zu uns!“ Das ist das Fazit der zehn russischen Auszubildenden aus den Städten Tjumen, Celles Partnerstadt in Westsibirien, Jaluterowsk und Tobolsk, die zwei Wochen lang im Rahmen eines Austauschprogramms zu Gast in der Residenzstadt waren und am Unterricht der Axel-Bruns-Schule (BBS II) und der Albrecht-Thaer-Schule (BBS IV) teilnahmen. Begleitet wurden die angehenden Elektriker, Kfz-Spezialisten und Köche von zwei Betreuerinnen, die halfen, Sprachbarrieren abzubauen.

Bereits vor zwei Jahren besuchten Tjumener Azubis Celle. Organisiert wird die Initiative durch die Deutsch-Russische-Gesellschaft Celle und die beiden Berufsbildenden Schulen, Veranstalter ist die Stadt Celle. „Wir erhalten starke Unterstützung von Gerd Dittmer vom Fachdienst 54, Fachbereich Bildung, Jugend und Soziales“, betont Eckart Braun, Vorsitzender der Deutsch-Russischen Gesellschaft. Im Gegenzug reisten 2013 zehn Celler Azubis der BBS II und IV nach Tjumen, um mehr über die dortige Ausbildungspraxis zu erfahren.

Vorangegangen waren dreijährige Gespräche mit der Staatlichen Erdöl- und Erdgas-Universtität (TSOGU) in Tjumen, um den Austausch zu ermöglichen. Anders als in Deutschland werden die Auszubildenden in Russland in der Universität auf den Beruf vorbereitet. „Im ersten Jahr lernen wir nur Theorie, im zweiten Jahr kommt neben der Schule auch Praxis hinzu und im dritten Jahr arbeiten wir nur noch praktisch“, erklärt der 19-jährige Alexander Zigura das System. Er lässt sich im zweiten Jahr zum Kfz-Techniker ausbilden, eine Qualifikation, die etwa zwischen dem Kraftfahrzeug-Mechatroniker und dem Kfz-Meister liegt.

Bei ihrem Aufenthalt in Celle hatten die Tjumener Azubis neben dem Unterricht in den Schulen auch die Möglichkeit, die praktische Seite ihrer Berufe kennenzulernen. An jeweils zwei Tagen gaben drei Celler Betriebe Einblicke in ihre Arbeitsweisen.

Im Ringhotel Celler Tor nahm sich Eigentümerin Susanne Ostler selbst die Zeit, den zukünftigen Köchen das Hotel und den Küchenbereich zu zeigen und die Philosophie des Hauses zu erläutern.

Bei Barilla-Wasa führte Betriebsratsvorsitzender Thomas Eggers die drei angehenden Elektriker durch die Produktion, bevor der zuständige Ausbilder, Mess- und Regeltechniker David Schienke, sie unter anderem in die Steuerungsanlagen für die Maschinen einwies.

Im Autohaus Kirsch mit Autowerkstatt RKS-Tuning in Westercelle wurden den Kfz-Azubis die Abläufe von Inhaber Rudolf Kirsch sogar in ihrer Heimatsprache erklärt. „Wir haben sehr viel Neues gelernt“, sprach Vladimir Ilinykh (19) für alle.

Damit Freizeit und Spaß nicht zu kurz kamen, wartete ein umfangreiches Rahmenprogramm auf die jungen Russen. Es reichte von der Besichtigung des Erdölmuseums in Wietze bis zum Besuch der Celler Kartbahn. Der Ausflug nach Hamburg unter anderem zur Modelleisenbahnausstellung „Miniatur Wunderwelt“ zählte zu den Highlights.

Die Städtepartnerschaft zwischen Tjumen und Celle jährt sich in diesem Jahr zum 20. Mal. Die Verbindung entstand aus den Beziehungen der Erdöl- und Erölzuliefererindustrie in den 1970er und 1980er Jahren. Aus ihr entsprang letztlich die Gründung der Deutsch-Russischen Gesellschaft Celle, die sich seither für die Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Russland einsetzt. „Wir möchten durch unsere Arbeit mitwirken, ein von Toleranz und gegenseitiger Anerkennung geprägtes Verständnis der beiden Völker zu festigen“, sagt Eckart Braun. Zum 20-jährigen Bestehen wird im Sommer eine Delegation aus Tjumen erwartet.

Von Martina Hancke